Action

Harte Kerle, leichte Mädchen

Eine neue düstere Geschichte aus der Stadt ohne Grenzen: „Sin City 2: A Dame To Kill For“

Wer die Reise nach Sin City antritt, muss sich auf besondere Verhältnisse einstellen. So zählen dort Glücksspiel, Drogen und Prostitution zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen, was dadurch begünstigt wird, dass es in Sin City niemals Tag wird. Die universelle Sprache der Gewalt ist die ortsübliche Kommunikationsform, weshalb stets jede Menge Todesopfer zu beklagen sind, die aber – keiner weiß warum – auch wieder unter den Lebenden weilen können, als sei nichts passiert.

Man muss daher davon ausgehen, dass in Sin City die chronologische Logik außer Kraft gesetzt ist oder für seine Bewohner keine weitere Bedeutung hat. Vielleicht liegt es daran, dass die Zukunft dort unmöglich ist und die Gegenwart eine einzige Zumutung ist, weil sie sich von der Vergangenheit keinen Deut unterscheidet. Insofern wäre es falsch zu behaupten, dass es sich bei „Sin City 2: A Dame To Kill For“ trotz der „2“ im Titel um eine Fortsetzung handelt.

Er liefert auch keine Vorgeschichte, es ist eher so, dass die Regisseure Frank Miller und Robert Rodriguez auch im zweiten Teil ihr Personal wie in einer Versuchsanordnung durch die Stadt jagen, auf dass es das Glück niemals findet. So wie die beiden Sin City erschaffen haben, kann es keine Erlösung geben.

Gleich zu Beginn treffen wir Marv, der im ersten Teil eigentlich auf dem elektrischen Stuhl gestorben ist, aber jetzt, quasi als Ouvertüre, eine Bande Halbstarker ins Jenseits befördert. Marv wird von Mickey Rourke gespielt, dessen ohnehin schon einigermaßen zerbeulter Schädel, hier zu einem eindrucksvoll ambossförmigen Dingsbums umgestaltet wurde, der vor allem auszudrücken scheint, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Marv ist der Sympathieträger des Films und Stammgast im Striplokal von Kadie, dem Dreh- und Angelpunkt in der Welt von Sin City.

Hier treffen wir auch Dwight, der neuerdings von Josh Brolin statt von Clive Owen dargestellt wird. Der etwas ruppige aber ansonsten gutherzige Privatdetektiv hat eine beklagenswerte Schwäche für Ava. Sie ist ein Neuzugang, wenn auch nicht neu für Dwight, handelt es sich bei ihr doch um eine alte Liebe. Zurück in seinem Leben führt sie nichts Gutes im Schilde und wird dabei von Eva Green verkörpert, die ihre Rolle praktisch textilfrei absolviert. In den vornehmlich schwarzweißen Bildern funkeln ihre Augen bedrohlich grün, was Dwights klare Sicht auf die Dinge dahingehend vernebelt, dass er eine Dummheit nach der nächsten begeht.

Und weil „Sin City 2“ ein Episodenfilm ist, treffen wir auch den Pokerspieler Johnny (Joseph Gordon-Levitt), der eine Rechnung mit Senator Roark (Powers Boothe) offen hat, an dem sich in einer anderen Geschichte wiederum die Stripperin Nancy (Jessica Alba) rächen will, weil der im ersten Teil den Bullen Hartigan (Bruce Willis) um die Ecke gebracht hat, der hier nun als Geist einen Auftritt hat. Nie hat man Bruce Willis in einer lebloseren Rolle gesehen.

Was aber nicht heißt, dass man sich in „Sin City 2“ nicht bestens amüsieren kann. Man muss nur ein Gefallen an aufeinander gestapelten Noir-Klischees haben. Die Männer sind hart und die Frauen sexy, das System ist korrupt und das Leben kennt keine Hoffnung. Alles ist getrennt in schwarz und weiß, wobei schwarz ganz klar im Vorteil ist. Es ist in dem Zusammenhang besonders amüsant, dass ein Film, der inhaltlich streng Eindimensionalität verpflichtet ist und in seiner comicartigen Bildgestaltung wiederum seine Wurzeln im Zweidimensionalen hat, für die Leinwand als 3D-Film adaptiert wurde. Es ist möglicherweise der eindruckvollste 3D-Film des Jahres. Und selbst in 2D macht der Film im Vergleich zum ersten Teil deutlich mehr her, er ist experimenteller, fast jedes Bild sieht aus, als hätte man es direkt aus Frank Millers Comicvorlage herausgeschnitten und zum Leben erweckt.

Sehr schön auch der sparsame Einsatz von Farbe, der hier und da eine Eigenschaft der Figuren akzentuiert. Nur das grundgute Barmädchen Marcie darf in kompletter Farbigkeit auftreten, leider verliert im Laufe der Handlung buchstäblich den Kopf. Was den Zuschauer allerdings kaum berührt. Die Gewalt ist in Sin City eher ein dekoratives Element. Sogar das Blut spritzt hier im großen Bogen weiß.

Action: USA 2014, 102 Minuten, von Robert Rodriguez, mit Jessica Alba, Josh Brolin, Bruce Willis, Mickey Rourke

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