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Geschichte und Geschichten

Am Tag des offenen Denkmals laden heute und morgen rund 330 Bauwerke in Berlin zur Besichtigung ein. Auch das kleinste Haus Kreuzbergs ist in diesem Jahr dabei. Eine Auswahl

Rund 330 Denkmale nehmen am morgigen Tag des offenen Denkmals in Berlin teil. Das diesjährige Motto lautet „Farbe“. Einige Veranstaltungen finden schon heute statt. Infos zum Programm: www.tag-des-offenen-denkmals.de.

Charlottenburg: Von der Farbigkeit in der Kirchenarchitektur

1. Ob alte oder moderne Kirchen, viele Gotteshäuser sind farbenfroh gestaltet. Das zeigt sich vor allem an den Fenstern. Mit dem Thema „Farbigkeit in der Kirchenarchitektur“ haben sich Schüler des Charlotte-Wolff-Kollegs beschäftigt. Rund 30 „Farbe im Quadrat“-Werke sind am Denkmaltag in der Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche zu sehen. „Dazu werden heute und morgen Führungen angeboten. Kinder können selbst kreativ werden und Quadrate künstlerisch gestalten“, sagt Projektleiterin Swantje Eggert.

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Breitscheidplatz, Charlottenburg, U9, S5, 7, 75 Zoologischer Garten, Sonnabend 13–18, Sonntag 13–16 Uhr

Zehlendorf: Führungen durch die Dorfkirche und das alte Schulhaus

2. Eine Gehaltserhöhung hat der erste ausgebildete Lehrer in Zehlendorf während seiner 30-jährigen Tätigkeit (1794–1824) nicht erhalten. Dafür aber einen preußischen Orden. „Ernst-Ferdinand Schäde war nicht nur Lehrer, sondern auch Küster, Hausmeister und Chronist“, sagt Klaus-Peter Laschinsky vom Heimatverein Zehlendorf. Bei Führungen durch die Dorfkirche, das alte Schulhaus und die kleine Lehrerwohnung erfahren Besucher dies und mehr aus den Aufzeichnungen Schädes.

Alte Dorfkirche Zehlendorf und Schulhaus Clayallee 355–357, Zehlendorf, S1 Zehlendorf, heute und morgen 10–16 Uhr

Britz: In dieser Mühle wird noch gemahlen und auch gebacken

3. „Die Britzer Mühle ist eine voll funktionsfähige Mühle“, sagt Michael Schillhaneck, Vorsitzender des Britzer Müllervereins e.V. Bei den rund einstündigen Führungen durch die 1865 erbaute, in den 1980-er Jahren restaurierte Zwölfkant-Galerie-Holländermühle werden die Besucher mit der Geschichte der ehemaligen „Stechhanschen Mühle“ vertraut gemacht. „Im Steinofen backen wir 750-Gramm Laiber Mühlenbrot“, so Schillhaneck.

Britzer Mühle Buckower Damm 130, Britz, Bus M44 Dachdeckerweg, morgen 11–16 Uhr

Tempelhof: Arbeiterwiderstand in den Askania-Werken

4. Die Askania-Werke mit rund 24.000 Beschäftigten und mehreren tausend Zwangsarbeitern waren im Zweiten Weltkrieg Zulieferer für die Rüstungsindustrie. Dennoch gab es im Unternehmen einen Arbeiterwiderstand gegen das NS-Regime, den sieben Menschen mit ihrem Leben bezahlten. „Für sie wird heute um 15 Uhr vor dem Transformatorenhaus ein schlichtes, aber prägnantes Gedenk-Pult aus Stahl enthüllt“, so Petra Zwaka, Leiterin der Museeum Tempelhof-Schöneberg. Anschließend steht eine Führung an.

Ehemalige Askania-Werke Großbeerenstraße 2/Ecke Rathausstraße, Tempelhof, Bus M77 Großbeerenstr./Daimlerstraße, U6 Alt-Mariendorf, heute 15 Uhr

Kreuzberg: Das kleinste Haus des Bezirks steht in der Oranienstraße

5. „Mit 48 Quadratmetern Grundfläche und jeweils einem Raum auf vier Etagen ist es das kleinste Haus in Kreuzberg“, sagt Ralf Hemmen, dessen Scotty Enterprises Kunstgalerie sowie Büros dort untergebracht sind. Heute führt er in halbstündigen Rundgängen durch das Haus. „Außerdem soll die Fassade des von Maurermeister E. Freemark und Zimmerermeister Ullmann 1864 erbauten Hauses farbig illuminiert werden“, so Hemmen.

Das kleinste Haus von Kreuzberg Oranienstr. 46, Kreuzberg, U8 Moritzplatz, heute 19.30–23 Uhr

Neukölln: Berlins älteste Schmiede ist noch immer in Betrieb

6. „Ich schmiede alles, was schneiden kann, vor allem Messer und Scheren, aber auch Kerzenständer oder Schlüsselanhänger. Nur Pferde beschlage ich nicht“, sagt Messerschmiedemeister Martin Böck. Sein Arbeitsplatz ist die Rixdorfer Dorfschmiede von 1797. Am wochenende kann man ihm in Berlins ältester Schmiede, die noch als Werkstatt genutzt wird, bei seiner Arbeit am Amboss über die Schulter schauen.

Alte Dorfschmiede Richardplatz, Neukölln, U7 Karl-Marx-Straße, Sonnabend 11–19 Uhr, Sonntag 11–18 Uhr

Mitte: Vom „Haus des Lehrers“ zum bcc Berlin Congress Center

7. Der weithin sichtbare Mosaikfries hat das ehemalige „Haus des Lehrers“ einst zu einem Wahrzeichen Ost-Berlins gemacht. Anfang der 60er-Jahre entstand der Hochhaus-Neubau samt Kongresshalle auf dem Standort des früheren „Lehrervereinshauses“. 2003 wurde es umgebaut und beherbergt seitdem das bcc Berlin Congress Center. Bei halbstündigen Führungen werden die Geschichte des Hauses und seine heutige Nutzung erläutert.

bcc Berlin Congress Center Alexanderstr. 9 und 11, Mitte, U2, 5, 8, S5, 7, 75, Alexanderplatz, Sonnabend 14–16 Uhr

Westend: Kultur, Sport und Architektur im Olympiapark

8. Der große, 1935/1936 erbaute Kuppelsaal im ehemaligen Haus des Deutschen Sports ist eine architektonische Besonderheit. „Nach Breslau ist es die zweite in Stahl-Beton-Skelettbauweise errichtete Kuppel ihrer Art“, sagt Martina Behrendt vom Sportmuseum Berlin. Heute und am morgigen Sonntag kann man bei Führungen mehr über die Geschichte des eigentlich für kulturelle Zwecke errichteten Saals und die Zusammenhänge von Sport, Kultur und Architektur an diesem vielschichtigen Ort deutscher Sportgeschichte erfahren.

Ehemaliges Haus des Deutschen Sports Hanns-Braun-Straße/Ecke Adlerplatz, Olympiapark Berlin, Westend, S5 Olympiastadion, heute und morgen 10–17 Uhr, Führungen Sonnabend und Sonntag um 11, 13 und 15 Uhr

Lübars: Ein ganzes Dorf kann als offenes Denkmal erkundet werden

9. Wenn man sagt, Lübars sei ein Dorf, ist das ein Kompliment. Die Dorfaue mit alter Kirche, Feuerwehrhaus, Schule und Kopfsteinpflaster beeindruckt selbst Berliner. „Wir laden zu kulturhistorischen Führungen durch das ganze Dorf. Interessenten kommen zum LabSaal. Außerdem findet ein Kunsthandwerker-Markt statt und im Biergarten des Alten Krugs spielt eine Jazzband“, sagt Norbert Heners-Martin von Natur & Kultur e.V.

Dorf Lübars Alt-Lübars, Lübars, Bus 222 Alt-Lübars, morgen Führungen 12, 13, 14, 16 Uhr, 11–17 Uhr Markt, 14–16 Uhr Jazzmusik im Gasthof Alter Dorfkrug