Ausflugstipp

Orte der Erinnerung

Das erste Mal vergisst man nie. So geht es mir mit der Mommsenstraße. 1987 hatte ich als Ost-Berliner das Glück, meine Großmutter zu ihrem 90. Geburtstag erstmals in West-Berlin zu besuchen.

Da wohnte sie schon im Heim. Aber ich hatte ja noch weitere West-Verwandte. Eine Cousine wohnte in der Beletage an der Mommsenstraße 67 und bot mir Kost und Logis. Was waren das für aufregende 72 Stunden in dieser wunderbaren Straße: tagsüber auf Entdeckungstour, abends im Florian an der Grolmannstraße, Udo Lindenberg am Nachbartisch, und am Sonntag zum Brunch in die Nachbarwohnung.

Noch heute übt die beschauliche Mommsenstraße zwischen dem trubeligen Kudamm und der verkehrsreichen Kantstraße einen besonderen Reiz auf mich aus. Der Spaziergang kann an der Ecke Knesebeckstraße beginnen, auf der nördlichen Seite mit der Nummer 1. Dies ist die Straßenseite, wo es teils legendäre Restaurants und Imbisse gibt, etwa den Feinkostimbiss „Einhorn“ (Nr. 2), das Marjellchen mit ostpreußischer Küche (Nr. 9) und das Steh-Restaurant „Klemkes Wein-Eck“ (Nr. 9).

16Gedenktafeln und Stolpersteine erinnern an jüdische Bewohner der Straße, die durch die Nationalsozialisten vertrieben oder ermordet wurden. So etwa an den Komponisten Leo Blech (Nr. 5), der 1937 emigrierte, oder an Lina und Erna Friedländer (Nr. 23), die deportiert und ermordet wurden. Im Haus mit der Hausummer 56, wurde 1933 in der Wohnung von Kurt Singer der Kulturbund Deutscher Juden gegründet. Singer kam 1944 im Lager Theresienstadt ums Leben.

Mut macht der Anblick der Kinder auf dem Spielplatz „Zwergenspaß für alle“ mit hölzerner Ritterburg neben dem Haus Nummer 47 und des Hindemith-Platzes an der Kreuzung mit der Wilmersdorfer Straße mit seinem kolossalen St. Georg-Brunnen.