Berliner Perlen

Im Erfindungs-Reich

Marijan Jordan handelt mit Waren von fantasievollen Menschen. In Prenzlauer Berg werden ungewöhnliche Produkte verkauft – von der Bettfeder-Leuchte bis zur Tasche mit Solarfunktion

Was hat ein auf den Rucksack appliziertes Solar-Ladegrät fürs Handy mit einer Bügelhilfe für Hemdsärmel zu tun, was hölzerne Teelichthalter mit Spezialtüchern gegen Fliegendreck oder der Vorlage für ein Puzzle-Duell? Nichts, möchte man spontan behaupten. Drei Dinge, würde dagegen Marijan Jordan sagen. Jeder dieser Artikel ist einer kreativen Idee entsprungen, jeder ist auf seine Art zweckdienlich und alltagstauglich, und vor allem: Jeder ist innovativ genug, um ihn als Produkt schützen zu lassen.

Wer nicht weiß, was Kunden des Erfinderladens in Prenzlauer Berg erwartet, der mag zunächst etwas ratlos dastehen in dieser scheinbar wahllosen Mischung aus Hübschem und Trashigem, Lifestyle und Haushaltshilfen, Scherzartikeln und Hochtechnologie. Es ist ihre durchaus weit gefasste Definition von „Erfindung“, mit der Jordan und sein Partner Gerhard Muthenthaler nicht nur den genialen Daniel Düsentriebs der Neuzeit, sondern auch den unzähligen Kleinsttüftlern und Gelegenheitsspürnasen Mut machen, ihre Geistesblitze zum Produkt zu entwickeln und der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Designerlampe aus Bettfedern

„Jeder Mensch hat Ideen“, ist Jordan überzeugt. Das Problem: „Die Idee macht nur fünf Prozent des langen Weges aus, den es braucht, diese zur Marktreife und an den Mann zu bringen.“ Den Urhebern neuer Technologien und Industrieprodukte helfen Jordan und Muthenthaler mit ihrer vor 17 Jahren gegründeten Beratungs- und Patentvermarktungsagentur Erfinderhaus, die heute in Berlin an der Gleimstraße sitzt. Bei kleineren Erfindungen, Geschenkartikeln und neuen Designs für Alltagsgegenstände, die als Geschmacksmuster angemeldet werden können, gehe das aber viel schneller und mit weniger Kapital, zeigte die Erfahrung der gebürtigen Österreicher. Mit dem Erfinderladen, der auch als ein origineller Geschenkartikelladen durchgeht, „haben wir eine Plattform geschaffen, eine Art Testmarktsituation“.

Die insgesamt rund 300 verschiedenen Artikel in dem geräumigen Geschäft sind zunächst in kleiner Stückzahl gefertigt. Obwohl Prototypen, gelten die üblichen Gewährleistungen des Handels. Nur ist eben alles irgendwie einzigartig – bis hin zur Ausstattung des Ladens. Da ist die dreidimensionale Uhr, bei der die Zeiger um die Ecke laufen, oder die aus alten Bettfedern gefertigten Leuchten einer Manufaktur aus Prenzlauer Berg. Auch diese sind käufliche Erfindungen und gehören mit Preisen zwischen 300 und 600 Euro zu den teuersten Artikeln. Die billigsten, wie Postkarten, beginnen bei ein bis zwei Euro.

Zusendungen erhalten die Erfinderberater nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum. „Bunjee“, eine Sicherung fürs Handy gegen den Sturz zu Boden, wurde von einem Engländer erfunden. Auch Berliner Tüftler sind gut vertreten im Laden, mit dem Jordan und Muthenthaler 2012 bewusst aus ihrer Salzburger Heimat hergezogen waren, weil „es hier diese kreative Aufbruchstimmung gibt“. Da sind die T-Shirts aus Bio-Baumwolle, bedruckt mit besonderen Verfahren und organischen Substanzen. Hergestellt werden sie von dem Berliner Mode-Label „Neige Noir“. Die Recycling-Weinverpackung für unterwegs, portioniert für ein Glas, hat zwar ein Italiener erfunden, realisiert aber hat die Idee eine Friedrichshainer Agentur. Aus Potsdam kam die Idee für „Bottle Light“, eine Stableuchte, die leere Flaschen aller Art neu nutzbar macht. Der Berliner Künstler Mark Formanek kreierte „Standard Time“, einen Bildschirmschoner, in dem Bauarbeiter alle 60 Sekunden eine hölzerne und doch digitale Zeitanzeige umbauen. Rein zufällig war sie Jordan und Muthenthaler aufgefallen. „Die wurde an der Tucholskystraße produziert, davon war von außen nichts zu sehen. Nur einmal stand ein Fenster offen.“ Sie gehört zu den Erfindungen, die ihre Kundschaft gefunden haben. So wie die Erfinderberater immer versuchen, Abnehmer im Handel oder Großhandel zu finden. „Das Schönste ist, ein Produkt auf den Markt zu bringen“, sagt Jordan. „Aber wir wollen die Dinge nicht festhalten. Irgendwann trennt sich der Weg wieder.“

Tausend Ideen im Kopf

Bis zu einem halben Dutzend Erfindungen landen jede Woche bei den Beratern. Nicht alle sind markttauglich oder innovativ genug. 52 im Jahr wollen Jordan und Muthenthaler in den Laden nehmen, die jeweils neueste als „Erfindung der Woche“. Gerade Berliner Tüftler kommen oft erst einmal zum Gucken ins Geschäft. Jordan: „Die schauen sich alles an und rücken irgendwann damit raus, dass sie auch etwas haben.“ Rund 30 Erfindungen haben er und Muthenthaler selbst realisiert, darunter das Puzzle-Duell für zwei Spieler. „Aber Tausende Ideen liegen noch in der Schublade“, sagt Jordan und lacht: „Das Leben ist hoffentlich noch lang.“

Erfinderladen Lychener Straße 8, Prenzlauer Berg, Tel. 54 71 33 06, Mo.–Sbd. 11–20 Uhr, www.erfinderladen-berlin.de