Bühnencheck

Die Alte und der Eintänzer

Michael bezeichnet sich selbst als „passiv-aggressive Tunte“.

Er ist ungehobelt und frivol bis zur Schmerzgrenze. Lily indes ist eine alte Dame, die Wert auf gutes Benehmen legt. Scherzhaft gesteht sie, eingetragenes Mitglied der Verknöcherte-Alte-Schachteln-Fraktion zu sein. Scheinbar unvereinbare Temperamente treffen aufeinander, als sich Lily einen Tanzlehrer ins Haus bestellt. Die einsame Witwe, die nicht mehr viel vor die Tür geht, will tanzen. Er braucht das Geld, hat aber eigentlich keine Lust, den „Eintänzer in den Himmel“ zu geben.

Der Titel von Richard Alfieris Komödie „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ ist Programm. Auf den ersten Blick erscheint das Stück, das Regisseurin Karin Bares nun federleicht auf die Bühne des Kleinen Theaters gebracht hat, recht simpel gestrickt. Doch von Margot Nagel und Frank Brunet nuanciert gespielt, haben die Charaktere genügend Tiefgang, um den Abend bei Walzer, Tango und Foxtrott zu einem spannenden vielschichtigen Genuss zu machen.

Bei der pensionierten Lehrerin und dem ehemaligen Revuetänzer kracht es von Anfang an. Die gegenseitigen Vorurteile weichen nur langsam. In pointierten Dialogen schenken sich die beiden in ihrem verbalen und hochemotionalen Clinch nichts. Bei ihren hinreißenden Tanzeinlagen lernen sie, einander zu vertrauen. Natürlich weiß man vom ersten Takt an, dass sich hier eine ungewöhnliche Freundschaft anbahnt. Ein bisschen kitschig ist das zuweilen. Aber verzeihlich, denn dem Charme von Lily und Michael kann sich niemand entziehen.

Kleines Theater Südwestkorso 64, Friedenau, Tel. 821 20 21, Vorstellungen 5. & 6.9., 26. & 27.9., 1., 15. & 17.10. um 20 Uhr, 28.9. um 18 Uhr, Tickets 15 & 20 Euro