Ausstellung

Wenn die Kunst auf den Keks kommt

Das Bröhan-Museum ist auf den Keks gekommen. Na ja, besser gesagt auf ihre Verpackung: die Keksdosen. Doch was haben die im Haus für Jugendstil verloren?

Über Jahrzehnte hinweg, bis 1989 beauftragte die Firma Bahlsen verschiedenste Künstler mit Entwürfen für Dosen, Plakate, ja sogar Feldpostkarten entstanden mit dem süßen Gruß aus der Heimat. Wie bei keiner anderen Firma zu der Zeit verknüpfte das Hannoveraner Unternehmen Kunst und Marketing, auch wenn das damals noch nicht so hieß. Reinste Schatzkästchen, die da um 1900 zu kaufen waren – der Jugendstil hielt in feinsten, floralen Mustern Einzug. Mit diesen Schmuck- und Geschenkdosen wollte Bahlsen den Keks in die Wohnzimmer bringen, egal, ob in die elegante Villa oder die Altbauwohnung mit Kohleofen.

Im Bröhan-Museum sind nun „Kunst und Keksdose“ in einer tollen Schau zu sehen. Das Datum bietet sich an – das Unternehmen feiert 125. Jubiläum. Der erste Blick fällt sofort auf die poppig-bunten Dosen aus den 60er- und 70er-Jahren im Retro-Design, sie wirken wie aus der Werkstatt von Andy Warhol. Eva Grossberg prägte über 40 Jahre das Design mit ihren ausgefallenen Entwürfen, insgesamt 250 Dosen verschönerte sie. Als sie 1989 in Rente ging, kam niemand mehr nach. Warum auch? Wer kauft heute noch Keksdosen für zehn Personen?

Bröhan-Museum, Schloßstraße 1a, Charlottenburg. Di-So 10-18 Uhr, bis 9. November. Katalog: 29,80 €.