Bühnencheck

Ein Cello namens Joe

Joe ist mit mehr als 200 Jahren zwar verdammt alt, hat es aber trotzdem noch drauf, mit dem Hardrock-Klassiker „Smoke On The Water“ jeden Saal zum Kochen zu bringen. Welches Cello kann so etwas schon von sich sagen? In den Händen der Cellistin Rebecca Carrington entpuppt sich Joe eben gestrichen, geklopft und gezupft als echtes Multifunktionsinstrument. Mit Verve schafft er sogar eine ganz schnelle „Carmen“-Inszenierung in gerade mal drei Minuten. Zuweilen wird er auch von einem sehr jungen, namenlosen Elektro-Klavier begleitet. Dann allerdings ist Joes Empörung groß.

Der Mann am Piano ist Colin Brown. Neben dem empfindsamen, dramatisch aufbrausendem Cello und Rebecca Carrington der Dritte im Bunde. Gemeinsam gastiert das Trio derzeit mit seinem aktuellen Programm „Dream A Little Dream“ mit ungewöhnlichen Tönen und unvergleichlicher musikalischer Bandbreite in der Bar jeder Vernunft. Auch gesanglich setzen die Sopranistin und der sonore Bass immer wieder zu Höhenflügen an.

Längst haben die mehrfach preisgekrönten Engländer mit Wohnsitz in Kreuzberg die bundesdeutschen Kleinkunstbühnen erobert. Diesmal widmen sie sich mit lässigem britischem Humor ihren Kindheitsträumen. Sie wollte zum Ballett, er sah sich schon als Sexsymbol. Das Bühnen- und Ehepaar Carrington-Brown erzählt herzzerreißende, witzige Storys aus seinem turbulenten Leben und macht dabei auch vor den Unbilden des deutschen Steuerrechts nicht halt.

Musikalisch fein unterfüttert mit so noch nie gehörten Interpretationen von Bach bis Bowie und Knef bis Klezmer. Der Gipfel ist ein Wettstreit um die Krone des Pops und die Frage, wer ist besser: Michael Jackson oder Madonna? Die Antwort sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Bar jeder Vernunft Schaperstr. 24, Wilmersdorf, Tel. 883 15 82, Vorstellungen bis 5. 9., Di.–Sbd. 20 Uhr, So. 19 Uhr, Karten kosten 21,50–29,50 Euro, erm. 12,50 Euro (Abendkasse).