Bühnencheck

Schiller auf die Schnelle

Friedrich Schiller? War das nicht der Kollege von Goethe mit dem „Wilhelm Tell“ und der Apfelszene?

Zugegeben, die Kenntnisse über einen der vorzüglichsten Vertreter des Sturm und Drangs und der Weimarer Klassik sind heute eher rudimentär. Da kann es schon mal vorkommen, dass man bei der Nennung des Dramas „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ auf der Theaterbühne ein „Kennichnich“ zu hören bekommt. Und zwar von dem Schauspieler, mit dem man das Trauerspiel eigentlich gerade aufführen wollte.

Wie gut, dass der Lapsus mitten im unterhaltsamen Crashkurs „Schillers gesammelte Werke in 90 Minuten“ passiert. Oder besser gesagt: „Alles was Sie über Schiller wissen sollten, um mitreden zu können“. Ausgeheckt von den Schauspielern Wolfgang Gundacker und Moritz Röhl werden Prosa, philosophische Schriften und historische Werke als nicht bühnentauglich weggelassen. Bleiben noch Dramen und Lyrik, die Regisseur Reinhold Koch im Pfefferberg Theater abwechslungsreich in Szene gesetzt hat.

Theaterfreunde kennen natürlich „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“. Schillers Werke sind nicht damit zu vergleichen. Weil sein kreativer Dramen-Output kleiner ist und weil er nicht eine einzige Komödie geschrieben hat. Dass es dennoch lustig zugeht, dafür sorgen Wolfgang Gundacker und Moritz Röhl in gefühlten hundert Rollen. Nach einem verhaltenen Start mit „Kabale und Liebe“ laufen sie in „Maria Stuart“ rasch zur Höchstform auf und liefern einen Zickenkrieg, der seinesgleichen sucht. In insgesamt neun Dramen und einer Ballade wird gehasst, gemordet und geliebt. Ein witziger Schleudergang der Gefühle. Danach ist man fit, um beim Thema Schiller mitzureden.

Pfefferberg Theater Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg, Tel. 44 35 48 70, Termine: 12. 8., 14. 8., 15. 8., 19.–21. 8. um 20 Uhr, Karten kosten 21,50–24,50 Euro