Ausstellung

Erinnerung an eine schöne Stadt

Franziska Klotz malt gewaltige Bilder.

Wegsehen kann man da nicht, sie haben einen intensiven malerischen Sog. Sie benutzt Pinsel, Messer oder Finger, um die pastose Textur auf Leinwand zu bringen. Dazu kommen ausgefallene Farbkontraste. Ihre neusten Gemälde sind in der Galerie Kornfeld zu sehen. Ein Blick genügt, dann steht fest. Die junge Malerin, Jahrgang 1979, hatte eine Mission: Sie stieg in die Archive ihrer Heimatstadt Dresden, um dort historische Fotografien der Zerstörung der Elbmetropole 1945 zu sichten.

Sie fand eine Vielzahl an Stadtplänen und Luftaufnahmen, und wer als Dresdner nun vor Bildern wie dem menschenleeren „H3P04“ steht, der erkennt in den verschwommenen, engen Häuserfluchten sicher noch einzelne Gebäude wieder. Alles gleichzeitig geschieht in diesem Bild, es gibt Hell und Dunkel, die Elbe schlängelt sich wie eine schwarze Lawine durch das Fassadenmeer, als sei sie der Todbringer. Wer Dresden nicht in seinem Gedächtnis kartographiert hat, der sieht in diesem Bild vielmehr eine Metapher für Gewalt und Zerstörung, sieht Israel, den Gazastreifen oder andere Kriegsgebiete. Der „Stadtplan“ hingegen wirkt wie eine abstrakte Komposition. „W1“ und „W2“, ein Gemisch aus Öl- und Sprühfarbe, sehen aus wie dramatische Wolkenformationen, gleichwohl auch zu deuten als gewaltige Explosionen. Franziska Klotz stellt Fragen.

Galerie Kornfeld, Fasanenstr. 26. Di-Sa 11-18 Uhr. Bis 9. August.