Kulturmacher

Alles ein großer Spaß

Seit 2010 leitet Evangelia Sonntag das Schlosspark Theater. Sie ist die rechte Hand von Hausherr Dieter Hallervorden, der neue Stücke auswählt und bei Auftritten gern auf die Gage verzichtet

Die Neugier war’s. „Sie hatte nach dem Vorstellungsgespräch gesagt, sie wolle sich noch die Baustelle ansehen. Das hat sie von allen anderen Bewerbern unterschieden“, sagt Dieter Hallervorden über Evangelia Sonntag. Die gebürtige Griechin hatte sich im März 2009 für eine Stelle am Schlosspark Theater beworben – frisch von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor hatte sie Theaterwissenschaften und Neuere Deutsche Literatur studiert. Hallervorden ist der Mann, der in dem Traditionshaus in Steglitz seit 1. September 2009 für ganzjährigen Spielbetrieb sorgt. Der 78-Jährige, der zu Studienzeiten in dem Bezirk lebte, hat im Berliner Südwesten zur Überraschung vieler wieder eine Bühne etabliert, die großes Publikum anzieht.

Es ist sein zweites Theater in Berlin. Bereits 1960 hatte der gebürtige Dessauer mit Schauspielkollegen das Kabarett „Die Wühlmäuse“ gegründet. Im Jahr 2000 zog es von der Nürnberger Straße an den Theodor-Heuss-Platz. Dort stellte sich Evangelia Sonntag (damals noch Epanomeritaki) vor. Denn das Schlosspark Theater wurde saniert, zu 90 Prozent von Hallervordens Geld. 1,7 Millionen Euro steckte er in das Gebäude. Das Kapital hatte er nicht zuletzt durch die TV-Slapstick-Reihe „Nonstop Nonsens“ erworben.

Hallervorden tourte im Jahr als „Didi“ an 100 von 365 Tagen. Es gab Zeiten, da hatte er im Land einen gefühlten Bekanntheitsgrad von 99,9 Prozent. Seine Sketche werden noch heute getwittert. Hallervordens Engagement am Schlosspark Theater sei seine Art, so sagt er, seinem Publikum etwas zurückzugeben.

Finanziell rechne es sich nicht, so Hallervorden. Die Spielstätte arbeite auch nicht kostendeckend – genauso wenig wie andere Berliner Häuser. Immer wieder musste Hallervorden nachschießen. „Doch ich kann nicht meine ganzen Altersrücklagen aufbrauchen“, sagt er. Hallervorden hat drei Kinder aus zwei Ehen, der jüngste Sohn Johannes ist erst 15Jahre alt, Vater Dieter hat vor kurzem auf Twitter Fotos von Dreharbeiten in Venedig gepostet. Der Film „Honig im Kopf“ von Til Schweiger kommt zu Weihnachten 2014 in die Kinos.

Als bester Schauspieler prämiert

Immerhin sind Unterstützer da: Der Senat gewährt dem Theater in seiner unter Denkmalschutz stehenden Immobilie noch bis Ende November 2014 Mietfreiheit und schießt seit vergangenem Oktober 230.000 Euro im Jahr zu. Die Stiftung Deutsche Klassenlotterie fördert Eigenproduktionen am Haus mit jährlich 600.000 Euro. Und es kommen die Steglitzer und Zehlendorfer: 60 Prozent der Zuschauer, schätzen Sonntag und Hallervorden, stammen aus dem Bezirk.

Die Auslastung aller 360 Vorstellungen pro Jahr beträgt 62 Prozent. „Aber wir bräuchten 78 Prozent, um kostendeckend zu arbeiten“, erklärt Hallervorden. 94.414 Besucher kamen zur Spielzeit 2012/2013. Aktuell wurden bereits 99.200 Zuschauer gezählt. Die Zahl steige auch, so Hallervorden, weil er mit dem Film „Sein letztes Rennen“ im Mai 2014 die Goldene Lola als bester Schauspieler gewonnen habe.

Ob Unterstützung der Literaturinitiative oder Teilnahme am Interkulturellen Fest, der Steglitzer Woche oder nun an der Aktion „Jenseits von Mitte“: Um mehr Zuschauer ins Haus zu locken, denken Hallervorden und Sonntag sich mehr als Theater aus. Sonntag ist nach ihrem Zugang als Regieassistentin „kometenhaft“ aufgestiegen, so Hallervorden, und leitet das Haus seit dem 18. November 2010. „Ich habe immer mehr Verantwortung bekommen und viel gelernt“, sagt sie. Hallervorden ergänzt: „Wir sind ähnlich erzogen, höflich und zivilisiert, haben eine tiefe Liebe zum Theater und lassen als Pflichtmenschen ungern etwas liegen.“

Beide teilen sich die Arbeit. Sonntag disponiert die Stücke, verhandelt Verträge, kümmert sich um Marketing, Personal und Arbeitspläne. Hallervorden ist zuständig für den Spielplan und die Auswahl der Stücke, die er selbst aus dem Französischen übersetzt. Er verhandelt mit den Verlagen und kümmert sich um die Besetzung. Immerhin kennt er als langjähriger Entertainer viele Schauspieler persönlich – ein Grund, warum es am 6. November eine Lesung von Jan Josef Liefers geben wird. Hallervorden hat ihn einfach angerufen.

Gemeinsam haben sie eine beachtliche Anziehungskraft auf das Publikum. Im Oktober 2013 waren er und Liefers mit Joachim Fuchsberger im TV-Film „Die Spätzünder 2“ zu sehen. Die Komödie wurde in Konkurrenz zur Übertragung einer Champions-League-Partie gezeigt und erreichte dennoch 6,6 Millionen Zuschauer.

„Sonny Boys“ ist der Hit

Man muss, wenn man vom Schlosspark Theater erzählt, auch das Fernsehen erwähnen. Denn viele der Künstler, die Hallervorden holt, sind TV-Promis. Darunter etwa Elke Heidenreich, Wigald Boning und Philipp Sonntag. Letztererist bekannt als Adi Stadler aus der „Lindenstraße“ und spielt mit Hallervorden den Kassenschlager „Sonny Boys“ von Neil Simon. Das Stück hat eine Auslastung von 95 Prozent. Bei Proben lernte Sonntag 2010 die Theaterleiterin kennen, vor zwei Jahren heiratete er sie.

Evangelia Sonntag lebt ein Leben rund um die Bühne. Zu Hause schreibt sie mit ihrem Mann Theaterstücke und derzeit einen Roman. Sie unterstützt ihn zudem bei Solo-Programmen. Nur eine einzige Leidenschaft kommt zu kurz: der Tanz. Vor dem Studium hatte sie in Nürnberg eine Ausbildung zum Modernen Tanz absolviert und zuletzt 2010 an einem Workshop in New York teilgenommen, an der Martha Graham School, deren Stil sie äußerst schätzt.

Auf die Bühne zieht es sie allerdings nicht. Anders als Dieter Hallervorden, der 80 Auftritte pro Jahr im Haus hat und dabei auf die Gage verzichtet. Er hat aus seinem Hobby einen Beruf gemacht. „Und ein Spaß soll es immer noch bleiben“, sagt er.