Best of Berlin

Jeder Schluck eine Überraschung

In der Stadt gibt es eine Menge Klein-Brauereien, die ihr Bier im eigenen Gasthaus herstellen. Exotische Sorten aus aller Welt kann man jetzt beim Bierfestival in Friedrichshain testen

Friedrichshain: Hier fließt Bier aus der ganzen Welt. Auch aus Nepal

1. „Letztes Jahr kamen 800.000 Besucher, davon 100.000 aus anderen Ländern“, sagt Sprecher Frank-Peter Bürger. Thema des diesjährigen, noch bis morgen stattfindenden 18. Bierfestivals ist „Craft Beer“, also handwerklich gebrautes Bier. Mehr als 300 solcher Biere, etwa aus den USA, Norwegen und Nepal, werden präsentiert. Insgesamt säumen rund 340 Brauereien aus 87 Ländern die rund 2,2 Kilometer lange Bierfest-Meile zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor.

18. Internationales Berliner Bierfestival Karl-Marx-Allee, Friedrichshain, U5 Strausberger Platz, Weberwiese, Frankfurter Tor, 2.8. 10–24 Uhr, 3.8. 10–22 Uhr, Eintritt frei, Tel. 65 76 35 60, www.bierfestival-berlin.de

Wedding: Hier wird Bier zum Destillat, das wie Whisky schmeckt

2. Alle zwei bis drei Wochen wechselt das Spezialbier, aktuell gibt es „Dreikorn“. „Es besteht aus Gersten-, Roggen- und Dunkelmalz, ist mit einer Stammwürze von zehn Prozent und etwa 4,2 Prozent Alkohol ein leichtes, süffig-fruchtiges Sommerbier“, sagt Diplom-Brauingenieur und Gaststätten-Chef Martin Eschenbrenner. Immer im Ausschank sind die Standardbiere Pils, Dunkel und Hefeweizen. Eschenbrenner betreibt auch eine Brennerei. Ungewöhnlich: der „Bierbrand“, ein klares süffiges Destillat, das Whisky-ähnlich schmeckt.

Hausbrauerei Eschenbräu Triftstr. 67, Wedding, U9 Leopoldplatz, tägl. ab 15 Uhr, Tel. 462 68 37, http://eschenbraeu.de

Spandau: Im August gibt es dunkles Sommerbier als Spezialität

3. „Das Spandauer Havelbräu ist einer unserer Klassiker“, sagt Betriebsleiter Günther Sackel über das helle, untergärige und natürlich hausgebraute Bier, das in 0,2-, 0,4-, 1- und 1,5-Liter-Größe ausgeschenkt wird. Im August gibt es mit einem dunklen Sommerbier wie jeden Monat zusätzlich ein Spezialbier. In der Gasthausbrauerei mit 350 Innen- und 600-Außenplätzen sitzt man in Braukessel-Nähe. Angeboten werden auch Bierseminare und Braukurse.

Brauhaus Spandau Neuendorfer Str. 1, Spandau, U7 Altstadt Spandau, So.–Do. 10–24, Fr.+Sbd. 10–1 Uhr Tel. 353 90 70, www.brauhaus-spandau.de

Moabit: Unfiltriertes Bier in der Arminiusmarkthalle

4. Das „BrewBaker“-Schild ist unübersehbar. Die Braukessel stehen inzwischen jedoch anderswo. „Wir brauchten mehr Platz, bauen jetzt in der Nähe, an der Sickingenstraße, unsere neue Brauerei. Ab September wird es auch einen Verkostungstresen geben“, sagt Braumeister Michael Schwab, der die kleine Brauerei 2005 gründete. Die ganzjährig beliebte Berliner Weiße, das Indian Pale Ale (IPA) und weitere nicht filtrierte Biere gibt es allerdings weiterhin in der Arminiusmarkthalle, bei den Gastronomien Alimentari e Vini, im Fischladen und in der Zunftwirtschaft.

Arminiusmarkthalle Arminiusstr. 2–4, Moabit, U9 Turmstraße, Mo.–Sbd. ab mittags bis ca. 21/22 Uhr geöffnet, Zunftwirtschaft Mo.–Sbd. ab 16 Uhr, arminiushalle.zunftnetz.org

Mitte: Hergestellt von Meister Lampe persönlich

5. Die großen kupfernen Braukessel verleihen dem Brauhaus-Restaurant im Obergeschoss des Berlin Carrés echtes Brauerei-Flair. Neben dem klassischen Pils produziert Braumeister Holger Lampe hier regelmäßig auch ein aromatisches Dunkel, ein fruchtiges Hefeweizen sowie Saisonbiere wie Weißbier oder das naturtrübe Zwickel. Kulinarisch begleitet werden die Biere von einem berlinerisch-bayerischen Küchen-Rundumschlag.

Brauhaus Mitte Karl-Liebknecht-Str. 13, Mitte, U2, 5, 8, S5, 7, 9, 75 Alexanderplatz, tägl. 11–24 Uhr, Tel. 30 87 89 89, www.brauhaus-mitte.de

Köpenick: Historische Biere sogar aus babylonischer Zeit

6. Gerne nennt sich der 7 x 7-Meter kleine Glaspavillon auf dem Schlossplatz auch „kleinste Brauerei Deutschlands“. Neben den naturtrüben Standardbieren Hell und Dunkel gibt es historische Biere wie das babylonische Bier oder das rauchige Köpenicker Moll nach einem Rezept von 1752. „Unsere Spezialität“, sagt Maximilian Ruppert, Junior-Chef der Mikro-Brauerei. Ein Speisenangebot gibt es nicht, handelt es sich doch um eine „Raucherbrauerei“. Es gibt aber eine große Terrasse. Braukurse auf Anmeldung.

Schlossplatzbrauerei Coepenick Schlossplatz, Grünstr. 1, Köpenick, Tram 62, 68 Rathaus Köpenick, Tram 60, 61, Bus 167 Schlossplatz Köpenick, tägl. ab 12–o.e., Tel. 420 968 76, www.brauhaus-coepenick.de

Kreuzberg: Im Sommer kommt auch Kirschbier und dem Zapfhahn

7. Helles, Dunkles und Weizenbier gehören für Thorsten Schoppe zum Standard-Brauprogramm. „Außerdem braue ich saisonale Biere, jetzt etwa ein sommerliches, leichtes Kirsch-Bier“, sagt der Braumeister, der für hausgebrautes Bier im Kreuzberger Backsteinambiente mit 180 Innen- sowie 60 Außenplätzen sorgt. Ebenso im Pfefferbräu in Prenzlauer Berg. Sichtbar in beiden Gasthausbrauereien sind die Siedekessel. „Wer früh kommt, riecht das auch“, so Schoppe.

Brauhaus Südstern Hasenheide 69, Kreuzberg, U7 Südstern, Mo.–Sbd. ab 14, So. ab 12 Uhr, Tel. 69 00 16 24, www.brauhaus-suedstern.de

Neukölln: Natürliches Bier vom Traditionsstandort

8. Das Rollberger ist seit Ende 2009 eine Erfolgsgeschichte. In den Kellerräumen unterhalb des ehemaligen Berliner Kindl-Sudhauses braut Braumeister Wilko Bereit sein unfiltriertes und nicht pasteurisiertes Helles und Rotes, die schon in rund 70 Gastronomien (siehe Homepage) in Berlin ausgeschenkt werden. „Dazu kommen saisonale Biere wie im Sommer ein klassisches Hefeweizen, ein Maibock oder ein Märzen“, so Bereit. Privatleute können 30- und 50-Liter-Fässer direkt ab Brauerei erstehen.

Privatbrauerei am Rollberg Am Sudhaus 3, Neukölln, U8 Boddinstr., U7 Rathaus Neukölln, Bestellungen Tel. 68 08 45 77, www.rollberger.de

Charlottenburg: Noch mehr Hausgebrautes am Schloss

9. „Über 40 Craftbiere haben wir im Repertoire, jeweils vier sind im Ausschank“, sagt Braumeister Jens Richter. Neben dem Lemke Original, dem Lemke Pils und dem Lemke Weizen kann das ein sommerliches naturtrübes Hefeweizen oder ein ungefiltertes naturtrübes Zwickelbier sein. Demnächst wird aufgestockt. „Wir bauen den Tresen um, ab November sind dann bis zu acht Biere im Ausschank“, so Richter.

Brauhaus Lemke Luisenplatz 1, Charlottenburg, Bus M45, 109 Luisenplatz/Schloss, tägl. ab 11 Uhr, Tel. 30 87 89 79, www.brauhaus-lemke.de