Philip Guston

Galerie: Der „Erzromantiker“ aus Woodstock

Fleischrosa. Blutrot. Wundrot mit Schwarz gemischt. Ein exzessives Verhältnis zur Farbe hatte Philip Guston (1913-80).

In seinen Gemälden und Zeichnungen purzeln uns gekippte Körperteile und Gegenstände entgegen: wulstige Köpfe, beharrte Beine, Schuhsohlen, rohe Fleischklumpen, Glühbirnen. Nichts Fröhliches also, und obgleich sie cartoonhaft verfremdet sind, bleiben sie seltsam flächig.

In den 50er Jahren gehörte der US-Maler mit Jackson Pollock, Willem de Kooning, Mark Rothko und Robert Motherwell zu den wichtigsten Vertretern des abstrakten Expressionismus. Da war er ein gefeierter Künstler. Das Guggenheim widmet ihm eine Retrospektive. Doch die Krise naht, irgendwann hat er das Abstrakte „satt“, er will unbedingt Geschichten erzählen, Existenzielles ausloten. Er muss „malen, was sein Geist denken“, und das wollen nicht unbedingt alle sehen. Jedenfalls kommt er einfach nicht mit ein paar reduzierten Farbflächen aus. Seine Künstlerkollegen sind außer sich vor Wut, als „Erzromantiker“ wird er beschimpft.

Aurel Scheibler zeigt nun zwölf Arbeiten, drei Zeichnungen sind darunter, die genau jene Schwelle von der Abstraktion zur späteren Figürlichkeit bezeichnen. Die Arbeiten stammen aus dem Nachlass in Woodstock, dort, wo Guston mit seiner Familie lebte. Also, wer kein Guston-Fan ist, kann es noch werden!

Aurel Scheibler, Schöneberger Ufer 71, Di-Sa 11-18 Uhr. Bis 28. Juni