Berlin genießen

Auf den Rost gefallen

Neben Klassikern kommen immer mehr Exoten wie vegane Würstchen, Tomahawk-Steak und Bisonfleisch auf den Grill

Den Unterschied macht’s. Die meiste Grillware verzehren die Deutschen erstaunlicherweise zur dunklen Jahreszeit. Was weniger an neumodischen Holzkohlefeuerstellen oder gasbetriebenen Edelstahlkugeln für den Betrieb im Schnee liegt, sondern vielmehr an den zahllosen Weihnachtsmärkten mit Rostbratwurstständen und Nackensteakverkauf. Die meisten Selbstgriller lassen sich jedoch von Frühsommer bis Herbst zählen.

Der Markt mit Grillgut hat sich in den vergangenen Jahren stark vergrößert und vervielfältigt. Selbst auf Wochenmärkten finden Kunden Exoten wie Straußenfleisch, das mittlerweile in Brandenburg gezüchtet und von Feinschmeckern wegen seines geringen Fettanteils geschätzt wird. Straußenfleisch verkauft etwa Horst Müller, sowie exquisites mageres Bisonfleisch. Seine Ware bezieht er aus Kanada, 50 Euro kostet das Kilogramm Rumpsteak, 40 Euro mehr noch das Filet.

„Top auf der preislich nach oben offenen Edelfleischskala ist derzeit das Rinderfilet vom australischen Wagyu“, erklärt Thomas Neldner, der für vier „Nah-und-Gut“-Filialen Fleisch einkauft. 129 Euro kostet das Kilogramm Filet der Luxus-Weiderinder, deren feine Marmorierung durch Massagen entsteht. In Australien, von wo er sein Wagyufleisch bezieht, wird maschinell massiert, in Japan per Hand. Dafür kostet Wagyu dort auch mehr als doppelt so viel. Neu im Angebot ist bei Neldner das imposante „Tomahawk“-Steak ab 29,90 Euro pro Kilogramm. Drei bis fünf Pfund schwer ist der Schnitt aus der luftgetrockneten Bullen-Spannrippe. Die Knochenlänge von rund 50 Zentimetern ist etwas für Menschen, die gern Aufsehen erregen.

Mit rosa Pfeffer und Kardamom

Das kann man allerdings auch mit kleinen Würstchen, wenn deren Inneres extravagant aromatisiert wird. Wie bei der „Fleischerei Bünger“ in der Nähe des Kudamms. Neueste Kreation des mehrfach ausgezeichneten Neuland-Fleischers sind die groben Schweinebratwürste „Estragon-rosa Pfeffer“ und „Zitronenthymian-Liebstöckel“, die beide neue Noten in die Bratwurstpartituren bringen. Im türkischen „Multikulti Supermarkt Öz-Gida“ in Schöneberg stellt Engin Baliki die beliebte Merguez in der eigenen Fleischerei her. „Wir verwenden 50 Prozent Lamm-, 40 Prozent Rind- und zehn Prozent Kalbfleisch“ erklärt er. Gewürzt wird die dünne Bratwurst mit Paprikapulver, Kardamom, Muskat, Salz und einigen weiteren Zutaten, die Baliki nicht verrät. Neun Euro kostet das Kilo, bei gutem Grillwetter am Sonnabend empfiehlt sich eine Vorbestellung.

Ganz fleischlos grillt Peter Fridén im Szenerestaurant Mani an der Torstraße eine vegetarische Vorspeise. Dafür packt er reife Avocadostreifen einen kurzen Moment auf den heißen Lavagrill und serviert dazu fluffige Tomatenmousse mit Kichererbsen, Koriander, Minze und Ayranschaum. Die vegane Klientel muss ebenfalls nicht länger auf das Grillvergnügen verzichten. Der Supermarkt „Veganz“ an der Warschauer Straße hat Grillbares aus Saitan, auf Weizeneiweißbasis, und Tofu, auf Sojabasis, im Regal. Beliebt ist „Bierbratwurst“, die es für 16,90 Euro pro Kilogramm in den Geschmacksrichtungen Spinat-Pesto, geräucherter Apfel und Australian Ale gibt. Auch fleischlose Pfeffersteaks sind im Angebot so wie nürnbergerähnliche Cocktailwürstchen aus Lupinensamen.

Fleischerei Bünger Westfälische Straße 53, Wilmersdorf, Tel.: 891 64 32, Mo-Fr 8-19, Sa 8-14 Uhr, www.fleischerei-buenger.de

Nah und Gut Güntzelstraße 40, Wilmersdorf, Tel.: 86 39 19 3-0 oder 12, Mo.-Fr. 8-20, Sbd. 8-16 Uhr, drei weitere Filialen, aktuelle Preise unter: www.essenwieimrestaurant.de/aktuelle-angebote/

Öz-Gida Hauptstraße 16, Schöneberg, Tel.: 78 71 52 91, Mo.-Sbd. 8-20 Uhr, www.ozgida.de

Mani im Amano-Hotel Torstraße 136, Mitte, Tel.: 0163-635 94 64, Di.-Sbd. 19-24 Uhr, www.amanogroup.de

Veganz Warschauer Straße 33, Friedrichshain, Tel.: 29 00 94 35, Mo.-Sbd. 10-23, So. 10-20 Uhr, Filiale Schivelbeiner Straße 34, Prenzlauer Berg, www.veganz.de

Wild- und Geflügelhandel Tel.: 03382-70 34 54, Märkte: Do. Wittenbergplatz, Schöneberg, 10-18 Uhr, Fr. Preußenallee, Charlottenburg, 8-13 Uhr, Sbd. Karl-August-Platz, Charlottenburg, 8-14 Uhr