Science-Fiction

Und täglich schießt das Murmeltier

Im Kampf gegen Aliens fällt Tom Cruise in eine Zeitschleife. Das ist ziemlich monoton: „Edge of Tomorrow“

Vorbei sind die Zeiten, in denen Aliens ihre Invasion noch auf ein Land oder einen Kontinent beschränkten, heute muss es schon die ganze Welt sein. Vorbei auch die Zeiten, in denen sich ein schneidiger, amerikanischer General allein mit Panzer und Atomraketen gegen einen Angreifer aus dem All positionieren musste. Wenn heutzutage mutierte Echsen, monströse Transformers oder hyperaktive Aliens über die Erde herfallen, lassen sie die ums Überleben kämpfenden Menschen sehr klein und verletzlich aussehen. Gegen die aus allen Richtungen heranstürmenden Mimic wirken die Menschen in ihren gigantischen Kampfmaschinen-Panzern unbeholfen und schwerfällig.

Selbst Tom Cruise, der die Welt schon viele Male vor dem Untergang gerettet hat, macht im Kampf gegen diese allgegenwärtige Übermacht keine sonderlich gute Figur. Europa ist schon weitgehend vernichtet, die letzte Hoffnung auf Gegenwehr konzentriert sich auf eine Invasion in der Normandie, die sich nicht zufällig an der historischen Vorlage orientiert. Und wie am Ende des zweiten Weltkrieges auch Kinder und Greise an die Front geschickt wurden, geht es nun auch in dieser Science Fiction-Vision an die letzten Reserven.

So kommt es, dass sich auch der für medienwirksame Rekrutierung zuständige Werbefachmann William Cage unvermittelt und ohne jede Kampferfahrung an der Front wiederfindet, wo er unter normalen Umständen die ersten Kriegsminuten kaum überleben würde. Damit der Star dem Film ein bisschen länger erhalten bleibt, gewährt ihm das Drehbuch ein Trainingscamp der besonderen Art: Nachdem er zufällig ein Alpha-Mimic vernichtet hat, kann auch er von der besonderen Fähigkeit des Gegners profitieren und jeden Tod für einen Neuanfang nutzen.

Vor gut 20 Jahren war Bill Murray als Wetterreporter in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ schon einmal dazu verdammt, einen zermürbenden Routinetag in der Provinz immer wieder aufs Neue zu durchleben. In der Verfilmung des japanischen Romans „All You Need Is Kill“ von Hiroshi Sakurazaka hat das amüsant lebensphilosophische Zeitschleifen-Szenario jedoch eine sehr viel existenziellere Färbung. Der uralte Traum des Menschen, es im zweiten Anlauf besser zu machen, wird zur einzigen Überlebenschance im Kampf gegen einen hyperintelligenten Organismus, der jede menschliche Strategie überlistet.

„Fangen wir noch mal von vorne an“, kommandiert die Elite-Soldatin Rita und zielt kurzerhand mit dem Revolver auf den Kopf ihres Gefährten: Der Tod funktioniert wie ein Reset-Button, ein vertrautes Muster, das der Spielfilm vom Computerspiel übernommen hat, der Held lernt stetig dazu, um in der nächsten Runde des Kriegsspiels wieder einen Level weiterzukommen. Dabei balanciert Doug Liman die kriegerische Action seiner Blockbuster-Erfolge „Die Bourne Identität“ und „Mr. & Mrs. Smith“ mit dem beschwingten Humor seiner komödiantischen Anfänge wie in „Swingers“ aus.

Die zermürbende Wiederholung birgt nicht nur die Hoffnung aufs Überleben, sondern immer wieder auch amüsante Déjà-Vu-Momente. Während Cage stetig Erfahrungen sammelt, müssen seine Mitspieler in jeder Runde wieder bei Null anfangen. Um Zeit zu sparen, muss er Wege finden, um die langwierigen Prozesse des Lebens abzukürzen, Erfahrung und Wissen also sozusagen im Schnelldurchlauf vermitteln, wobei ihm die Verbalakrobatik des Werbefachmanns allemal nützlicher sind als jede Soldatenausbildung.

Das Stakkato endloser Wiederholungen hinterlässt beim Zuschauer dennoch unweigerlich Spuren von Beliebigkeit und Ermüdung, denen Doug Liman aber nicht zuletzt mit subversiven Besetzungscoups entgegensteuert: Während Tom Cruise gerade noch als Ethan Hunt und Jack Reacher mit eisernem Pathos gegen das 50plus-Image ankämpfte, scheint er hier zum ersten Mal einen Hauch von Ironie zuzulassen. Und Emily Blunt würzt ihren ersten Auftritt als wehrhafte Action-Amazone mit britisch respektloser Screwball-Schlagfertigkeit. Während sie durch ihre Erinnerungsamnesie zu pragmatischer Effizienz verdammt ist, darf Tom Cruises Spin-Doctor-General ihrem Charme schleichend verfallen.

Science-Fiction: USA 2014, 113 min., von Doug Liman, mit Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton

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