Ausflugstipp

Vom Rosenthaler Platz bis zum Bahnhof Gesundbrunnen

Quirlig, chaotisch, liebenswert und voller Überraschungen: So zeigt sich die Brunnenstraße, die von Mitte nach Gesundbrunnen verläuft.

Der Spaziergang beginnt am Rosenthaler Platz und führt zum Bahnhof Gesundbrunnen. Etwa 2,3 Kilometer lang ist die Strecke.

Viele Häuser im Abschnitt bis zur Bernauer Straße stammen aus der Gründerzeit und erstrecken sich über zwei, manchmal drei Hinterhöfe. Wenn die Tore geöffnet sind, kann man einen Blick hinein werfen. Man sieht Ziegelfassaden und alte Gebäude, in denen sich Firmen der Musikbranche, Planerbüros und Designer niedergelassen haben. Andere Höfe haben bemalte und bekritzelte Hauswände und künden von alternativer Lebensart, etwa mit dem Spruch „Kollektiv statt Kleinfamilie“.

An einem Wohnhaus steht der Satz „Dieses Haus stand früher in einem anderen Land“. Die Worte sind über drei Etagen verteilt. Jean-Remy von Matt, Mitbegründer der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt, ließ die Buchstaben 2009, zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, anbringen.

Sehenswert ist das Gebäude der Philipp-Schaeffer-Bibliothek an der Brunnenstraße 181. Sie erstreckt sich über drei Höfe und drei Etagen. An der Ecke Veteranenstraße liegt der Volkspark am Weinbergsweg. Mit Bänken, einem Wasserbassin, in dem Goldfische schwimmen, und Wiesen, auf denen sich bei schönem Wetter Berliner und Touristen niederlassen. Das eindrucksvolle Eckgebäude gegenüber, mit Pfeilern, großen Fenstern und Turm, ist das einstige Kaufhaus Jandorf. Es wurde 1904 eröffnet und in den 20er-Jahren vom Kaufhauskonzern Tietz übernommen. In der DDR-Zeit beherbergte es das Institut für Modegestaltung. Das Haus dient derzeit als Ausstellungsort. Bis 11. Mai ist eine Pictoplasma-Schau zu sehen (berlin.pictoplasma.com).

An der Brunnenstraße Ecke Bernauer Straße erinnern rostbraune Stelen und große Schwarzweiß-Fotos an die Teilung der Stadt. Sie gehören zur Gedenkstätte Berliner Mauer. „Sie verlassen den französischen Sektor“, ist auf einem Bild zu lesen. Steine im Rasen markieren, wo einst ein Fluchttunnel verlief. An der Straßenkreuzung finden sich Geschäftsnamen wie „Ost-West-Café“ und „Ost-West-Backshop“.

An der nördlichen Brunnenstraße, in Gesundbrunnen, sieht man hauptsächlich Neubauten. Und ein markantes Denkmal: Auf der westlichen Straßenseite, nahe der Gustav-Meyer-Allee, steht das sogenannte „Beamtentor“ der AEG, mit roten Backsteinen, Türmen und Mosaiken. Über dem mittleren Bogen ist noch der Schriftzug „Allgemeine Elektricitaets-Gesellschaft“ zu erkennen. Das Tor stammt vom Ende des 19. Jahrhundert. Es war einst der Zugang zum AEG-Gelände.