Bühnentechnik

Mitlesen jetzt endlich auch auf Englisch

Mit neuer Übertitelungsanlage reagiert das Haus auf zunehmend internationales Publikum

Die Erkenntnis traf ihn schlagartig beim „Ring des Nibelungen“ im September. „In der Pause hörte ich rings um mich herum Menschen Englisch sprechen und dachte: Wie peinlich, dass wir hier eine deutsche Oper nur mit deutschen Übertiteln zeigen“, erinnert sich Dietmar Schwarz. Beim Förderkreis rannte der Intendant der Deutschen Oper Berlin offene Türen ein. Dass ein internationales Haus mit Publikum aus aller Welt englische Übertitel braucht, leuchtete jedem sofort ein. Sehr schnell standen Spenden in Höhe von rund 100.000 Euro für eine neue Übertitelungsanlage bereit.

Nun ist es soweit: Die alte Beamer-Technik ist durch eine moderne LED-Anlage ersetzt worden. Sie ist lichtstärker, so dass die Schrift auch bei einer hell beleuchteten Inszenierung wie der von „Jenůfa“ gut lesbar ist. Außerdem kann man Farben, Schriftgrößen und auch die Sprache selbst bei Bedarf wechseln.

Ab der „Liebestrank“-Premiere wird jede Vorstellung ins Deutsche und Englische übersetzt. Damit ist die Deutsche Oper Berlin nach dem Opernhaus Zürich, der Wiener Staatsoper und der Komischen Oper Berlin das vierte Opernhaus im deutschsprachigen Raum, das mehrsprachige Übertitel einführt. Der Trend ist dem immer internationaler werdenden Opernpublikum geschuldet. 2012 kamen bereits 28 Prozent des Publikums an der Deutschen Oper aus dem Ausland, davon 22 Prozent aus den USA und Großbritannien. Auch der Anteil englischsprachiger Neuberliner wird immer größer.

Seit den 60er Jahren wurden Opern zunehmend in der Originalsprache aufgeführt, was auch das Engagement internationaler Gesangsstars erleichterte. Inspiriert von den Untertiteln im Kino nutzte die Canadian Opera Company 1983 erstmals Übertitel. Die erste übertitelte Vorstellung in der Deutschen Oper Berlin war „Ein Maskenball“ 1992. Von 2005 an gab es auch deutschsprachige Opern mit Übertiteln. Inzwischen hat sich die Technik an Opernhäusern, Theatern und bei Festivals vollkommen durchgesetzt. „Das macht die Oper einem breiteren Publikum zugänglich. Man kann der Handlung ohne jede Vorbereitung folgen“, so Dietmar Schwarz.

Neben der Beamer- und der LED-Technik gibt es die Möglichkeit, Displays in die Sitzlehnen einzubauen. Das hat den Vorteil, dass sich jeder Besucher die Übersetzung individuell einstellen kann, aber neben hohen Kosten auch den Nachteil, dass der Blick ständig zwischen Bühne und Vordersitz wechseln muss.

Die Stimmen der Zuschauer, die sich in ihren Emotionen durch die Schrift gestört fühlen, sind inzwischen weitgehend verstummt. Seit Januar arbeiten die Dramaturgen der Deutschen Oper daran, englische Übersetzungen der Repertoirestücke für die neue Anlage einzurichten. Bei jeder neuen Übersetzung muss man abwägen, wie weit man dabei auf die Inszenierung eingeht – ohne sich zu weit vom gesungenen Originaltext zu entfernen. Während der Vorstellung sitzt ein Mitarbeiter am Notebook und schaltet bei jeder im Klavierauszug gekennzeichneten Stelle gleichzeitig den deutschen und den englischen Text weiter. Er erscheint dann auf dem zweigeteilten Kasten über der Bühne. Nicht nur der Intendant freut sich auf die erweiterte Technik: „Die Übertitel und Übersetzung sind oft entscheidend für das Verständnis und das emotionale Erlebnis des Zuschauers.“