Krimikomödie

Was wiegen zwölf Jahre im Knast

Jude Law als Ex-Knacki, der Gerechtigkeit will : „Dom Hemingway“

Seine Kleidung ist schrill, aber stilvoll, sein Mundwerk lose. Das zurückgegelte Haar legt großzügige Geheimratsecken frei, als Ausgleich wuchern Koteletten über der Oberlippe zu einem schmierigen Schnauzer zusammen. Kurzum: Dom Hemingway (Jude Law) ist ein stolzer britischer Safeknacker mit leicht nostalgischer, fast schon viktorianischer Aura. Als er nach einer 12jährigen Haftstrafe auf freien Fuß gesetzt wird, besucht er nicht etwa das Grab seiner inzwischen verstorbenen Frau oder gar seine kaum volljährige Tochter. Er stolziert erst mal in seine Kneipe, mosert, wie sich dort die Stimmung verschlechtert habe, und setzt sich sogleich über das neue Rauchverbot hinweg.

Im Subgenre des Ex-Knacki-Films sehnt sich der Held in der Regel ja nach Resozialisierung, wie in Hannes Stöhrs Tragikomödie „Berlin is in Germany“, oder nach Rache, wie in Steven Soderberghs kühlem Meisterwerk „The Limey“. Dom will Gerechtigkeit. Es geht ihm nicht um die Revision seines Falls, im Gegenteil: Er trägt seine zwölf Jahre wie einen Orden an der Brust. Weil er aber nie einen Komplizen ans Messer geliefert hatte, macht sich Dom Hemingway auf in das Land des Dom Pérignon. Er will von seinem einstigen Auftraggeber, dem inzwischen schwerreichen Mr. Fontaine (Demián Bichir), angemessen entlohnt werden.

Der äußerst standesbewusste Großkriminelle weiß, wie tief er in der Schuld seines einstigen Handlangers steht. Er heißt Dom in Champagnerlaune willkommen, zeigt sich aber bald genervt von dessen unbeherrschter Rebellen-Attitüde. Bleibt die Frage, was sind zwölf Jahre Gefängnis wert: Wird Fontaine Dom an seinem Vermögen beteiligen, ihm vielleicht sogar seine junge Freundin überlassen (gespielt vom rumänischen Model Mădălina Diana Ghenea, die im wahren Leben Leonardo DiCaprio zu ihren Ex-Freunden zählt) oder ihn doch einfach umlegen?

Regisseur Richard Shepard hat ein Faible für Exzentriker, das er bisher vor allem bei TV-Serien wie „Girls“ oder „Ugly Betty“ auslebte. In „Dom Hemingway“, für den er auch das Drehbuch schrieb, ist sein größter Trumpf die Besetzung. Neben einem gut aufgelegten Jude Law erfreut vor allem Richard E. Grant, der stets wie der abgehalfterte Zwilling von Peter Fonda rüberkommt, als Doms Freund Dickie. Auf ihren Ausflügen in die Dekadenz sprühen bisweilen die Funken, als hätte man es hier mit dem westeuropäischen Gegenstück zu „Wolf of Wall Street“ zu tun – mit viel weniger Budget, aber umso mehr Seele.

Bedauerlicherweise (hier sei vor einem Hinweis auf das Ende des Films gewarnt) lässt Shepard seinen Helden doch noch eine moralische Läuterung erfahren, inszeniert sie aber so lausig, dass der Film jede Überzeugungskraft verliert. In einer seltsam verwilderten Friedhofsecke fließen plötzlich Tränen. Irritiert weiß die Kamera nicht, wo sie hinschauen soll. Spätestens dann sollte man eigentlich das Kino verlassen.

Krimikomödie: GB 2014, 93 min., von Richard Shepard, mit Jude Law, Richard E. Grant

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