Berliner Perlen

Nichts als Lieblingsstücke

Bei Kikola nahe dem Stuttgarter Platz verkauft Anika Möllemann das, was sie auch ihren eigenen Zwillingen anziehen oder schenken würde. Und was es nicht gibt, entwirft sie eben selbst

Zwei Missverständnisse gibt es, denen Anika Möllemann in ihrem Laden an der Leonhardtstraße häufiger begegnet. Das erste bewegt ausschließlich ihre jüngsten Kunden. „Mama, soll ich die Schuhe ausziehen?“, fragen Kinder immer wieder, wenn sie den Dielenboden in den zwei hellen übersichtlichen Verkaufsräumen betreten. Offenbar, so vermutet Anika Möllemann, „haben sie hier eher das Gefühl, in einem Zuhause zu sein als in einem Geschäft“.

Auf den zweiten Irrtum stößt sie dann später im Gespräch mit den Eltern der Kinder. „Der Name steht doch bestimmt für Kindercola“, mutmaßen nicht wenige Erwachsene, erzählt die Inhaberin des Kinderausstattungsgeschäftes Kikola und lacht: „Dabei habe ich mit Cola nun wirklich nichts im Sinn. Der Name des 2012 eröffneten Ladens war eine Wortschöpfung, die uns einfach so gekommen ist.“

Das Produkt, das der gelernten Dekorateurin und früheren Marketingleiterin bei einem Kunstmagazin den letzten Anstoß für ihre Selbständigkeit gab, sitzt gleich mehrmals in den Auslagen. Gwen ist eine Puppe mit langen dünnen Beinen, einem Kopf mit großen Manga-Augen und stilisierten Zöpfchen, die ein wenig an Katzen erinnert.

So begeistert waren Anika Möllemann und ihre Zwillingstöchter von der handgefertigten Lady aus Stoff, dass sie von einer Südafrika-Reise im Winter 2010/2011 mehr als 50 Puppen mit nach Hause nahmen. „Den Laden gab es damals höchstens als Idee. Aber hierdurch hat sie sich manifestiert“, sagt Möllemann.

Genauso wie Gwen sind auch die anderen Spielsachen, Dekorationsartikel, Wäsche- und Kleidungsstücke, die man bei Kikola kaufen kann, handverlesen und nie Massenware. Wenn etwa eine Kundin in den Laden kommt und nach Socken sucht, wird sie von Möllemann freundlich an andere Anlaufstellen im Umfeld verwiesen. „Ich will tatsächlich gar keine Rundum-Ausstattung anbieten. Das soll kein Laden sein, in den man hineinkommt und nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll“, sagt die 38-jährige Unternehmerin.

Weniger ist mehr

Zehn Spiele der gleichen Kategorie wird hier niemand finden, dafür jene geringe Auswahl, die Möllemann für ihre eigenen Kinder kaufen würde. „Ich kann nur anbieten, was ich selbst schön finde“, sagt sie. Dabei geht es immer auch, aber nicht nur, um Ästhetik. Nutzerfreundlichkeit, Nachhaltigkeit, Handwerk und Originalität: Diese Qualitäts-Aspekte sind der Geschäftsfrau wichtig.

Bastelbücher geben Tipps für das Werken mit Recyclingmaterial, etwa mit Pappe. Die angebotenen Deckenleuchten über dem Ladentisch sind eine Kreation der Berliner Designerin Jeannine van Erk, die ballonförmige Lampenschirme aus Mullbinden wickelt. Kinderkleidung gefällt der zweifachen Mutter vor allem, wenn sie „mitwächst“. Zum Beispiel die bequemen Beinkleider des Charlottenburger Labels CaroCaro, die mit zwei Jahren als lange, mit fünf als kurze Hosen getragen werden können.

Die Kleidchen von Coquito designt die Berlinerin Guillermina Ackerman. In Argentinien werden sie in sozialen Projekten gefertigt. Auch wer Öko-Kleidung sucht, wird bei Kikola fündig. Dass man viel kombinieren kann und für jeden Geldbeutel etwas findet, darauf legt Möllemann Wert. „Viele denken, in einer Kinderboutique ist alles teuer. Aber wenn es ein Shirt für neun Euro gibt, nimmt man die teurere Fairtrade-Hose vielleicht auch noch.“

Gemeinsam mit einem Projekt in Peru entwickelt Kikola derzeit ein Teppichdesign. Die handgewebten Stücke sollen künftig im Geschäft an der Leonhardtstraße verkauft werden.

Bereits seit gut einem Vierteljahr ist eine Spielküche im Sortiment, die Möllemann gemeinsam mit einer Freundin entworfen hat. Mit echtem Wasserhahn und Keramik-Schaltern einer Berliner Knauf-Manufaktur. Die ersten Exemplare hat sie eigenhändig zusammengebaut.

Unbeschlagen ist die gebürtige Rheinländerin nicht in der Arbeit mit Holz, denn auch viele der bei Kikola angebotenen Einrichtungsgegenstände – alles gebrauchte Möbel aus der Zeit um 1900 – hat die Liebhaberin alter Einrichtungsschätze aufgearbeitet, unter bewusstem Erhalt der Patina.

Stilberatung für das Kinderzimmer

Zugute kommt Anika Möllemann, dass sie als Dekorateurin viel handwerkliches Basiswissen erworben hat. Einmal pro Monat organisiert Kikola einen Kreativ-Workshop für Kinder mit der Künstlerin Claudia Scholl. Erwachsenen Kunden bietet Möllemann außerdem eine Stilberatung für das Kinderzimmer. Entstanden sei das ganz zufällig: „Kunden sagten: ‚Wir ziehen um, können Sie nicht mal gucken?‘.“

Ursprünglich in Prenzlauer Berg, heute in Lichterfelde zu Hause, ist Anika Möllemann längst auch in Charlottenburg angekommen. Obwohl sie früher „ziemlich Respekt“ hatte vor der vermeintlichen „Schickimicki“-Gegend. „Völlig unnötig“, wie sie heute unumwunden zugibt.

Kikola Leonhardtstraße 4, Charlottenburg, Tel. 63 96 91 00, Mo. bis Fr. 11–18 Uhr, Sbd. 11–16 Uhr, kikola-berlin.com