Bühnencheck

Arnulf Rating trifft Dr. Mabuse

Für Arnulf Rating gibt es in Zeiten ausufernder Abhörskandale und millionenfach gehackter Kundendaten nur ein abhörsicheres Medium: die Zeitung.

Wohl auch deshalb ist die Presseschau seit Beginn seiner Solokarriere vor mehr als 20 Jahren ein wesentlicher Bestandteil seiner Programme. So auch in seinem neuen, elften Solo „Ganz im Glück“ in den Wühlmäusen.

Längst hat die Ratingsche Schlagzeilen-Analyse Kultstatus erreicht. Nicht nur aktuelle Verwerfungen der Politik lassen sich anhand der Headlines bestens erklären. Etwa das Feindbild Russland, das den turbantragenden Taliban gerade abgelöst hat. Auch langfristige Entwicklungen zeichnen sich ab: War früher die Triumph-Schreibmaschine der Gipfel der Technik, sind es heute Flachbildfernseher. Für Rating ein Name, der dem oft lausigen intellektuellen Niveau im TV entgegen kommt.

Aber natürlich hält Rating, einst bewährter Mitstreiter von Beltz und Pispers sowie Mitbegründer der „3 Tornados“, nicht nur kleine, bitterböse Nadelstiche parat. Wie es sich für ein Schwergewicht des politischen Kabaretts gehört, wagt er sich wortgewaltig auch an das größtmögliche Problem: Er will den Patienten Deutschland aus dem Wachkoma zu holen. Dafür vertieft er sich mal wieder in die Akten seines Bühnen-Alter-egos Dr. Mabuse, dem die schlagfertige Schwester Hedwig zur Seite steht, eine absolute Lieblingsfigur von Künstler und Publikum.

Wie immer ist es ein absolutes Vergnügen, der gewitzten, wendungsreichen und pointierten Bestandsaufnahme Ratings zu folgen.

Die Wühlmäuse Pommernallee 2-4, Charlottenburg, Tel: 30 67 30 11. 17.– 21.4., 20 Uhr, Karten 20,50–27,50 Euro