Berlin genießen

Genuss von der Stange

In den Berliner Restaurants hat die Spargelsaison in diesem Jahr schon etwas früher begonnen

„Ich kann mich nicht erinnern, dass es so früh schon so guten Spargel gab“, sagt Küchenchef Robert Lasarow vom Wilmersdorfer Restaurant Brenner. Wie viele seiner Kollegen hat er schon seit der ersten warmen Aprilwoche Spargel im Angebot. In der kommenden Woche wartet eine feine, kleine Spargelkarte auf die Gäste. „Er ist so vielfältig“, schwärmt er, „man kann ihn klassisch, aber auch sehr fantasievoll zubereiten.“ Etwa bei der Vorspeise Tartar von der Garnele und mit in Salz, Zucker, Himbeeressig, Olivenöl und weißem Balsamico mariniertem Spargel, Koriander und Avocado. Auch bei der zweiten Vorspeise kombiniert der mit 13 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnete Koch Meeresfrüchte mit dem botanisch zu den Bedecktsamern zählenden Asparagus. Das Ergebnis: gegrillte Jakobsmuschel mit Spargelsalat und säuerlicher Pomelo auf Macadamia-Brioche. Als Hauptgang bringt Lasarow neben Stangenspargel mit Wiener Schnitzel auch punktgenau gebratenes Kalbsfilet und Bries auf den Tisch. Zusammen mit Beelitzer Spargel, Kartoffeln und brauner Butter ebenso schlicht wie ergreifend. Wieder in Richtung extravagant geht der Abschluss mit einem Crèmeeis aus grünem Spargel, akzentuiert mit Szechuanpfeffer und Erdbeertartelettes. „Da bringt der grüne Spargel neben der Farbe auch kräftige Spargelaromen ein.“

Kolja Kleeberg kocht Kalamansi

Genau die schätzt auch Kolja Kleeberg. Der Sternekoch schickt derzeit in seinem Sechs-Gänge-Menü den Zwischengang Grüner Spargel, Quinoa-Kalamansi-Schaum mit Taubenragout und Confit im Knusper-Wantan. Das Ergebnis ist exotisch-fruchtig. Der charaktervolle, kräftigere grüne Spargel passt gut zum nussigen Geschmack des Andengetreides und dem leicht säuerlichen Kalamansi-Püree. Kalamansi sind eine Kreuzung aus Kumquat und Sauer-Mandarine. Überraschend einfach ist ein Kleeberg-Klassiker mit dem Namen Büroklammer-Spargel. Dafür verpackt der Chef fünf rohe Spargelstangen mit Salz, braunem Zucker und Butter in Backpapier, verschließt das Päckchen mit einer Büroklammer und brät den Spargel zehn Minuten bei 250 Grad im Ofen. „Das ist was für’s Auge und schmeckt toll“, sagt Kleeberg. Im Laufe der Saison wird es in seinem Restaurant in Zitrone und Rapsöl marinierten Spargel geben, mit wachsweichem Ei, Flusskrebsen und Estragonbutter. Und wer möchte, bekommt in Kleebergs Sternerestaurant „natürlich auch den Klassiker Stangenspargel mit Kalbsschnitzel, Kartoffeln und Sauce Hollandaise“.

Genau so schickt Nicole Todoroff, Chefköchin vom Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt, ihren Beelitzer Spargel seit Anfang April. Bis zu 120 Portionen werden an Spitzentagen, wochenends bei gutem Wetter, verkauft. Täglich liefert der Großhändler einen knappen Zentner Beelitzer Qualität. „Die Leichtigkeit“ schätzt die gebürtige Pankowerin an Spargel, den „etwas nussigen Geschmack, und dass man mit dem ersten Bissen weiß: Jetzt ist endlich der Frühling da.“ Acht bis neun Minuten kocht sie ihn, „der muss noch Biss haben“, mit ein wenig Zucker und Salz, „sonst nichts“. Vor dem Servieren wird mit Butter geglänzt, fertig.

20 Euro kostet die Portion mit jungen Kartoffeln, „ab Ostern wird es etwas billiger. Wir geben die Preise so weit wie möglich weiter“, erklärt Nicole Todoroff. Ihr Stolz als Küchenchefin ist, täglich die Hollandaise per Hand aufzuschlagen: eine Reduktion von Schalotten und Weißwein im Sieb passieren, dann mit Eigelb im Wasserbad per Schneebesen schlagen. Anschließend kommt klare Butter dazu, etwas Salz, Worcestersauce, Piment, Lorbeer, eine Spur Cayenne. Am Gendarmenmarkt gehört zum Spargel ein Kalbsschnitzel. „Ohne geht einfach nicht, wir haben es einmal probiert“, berichtet Nicole Todoroff, „aber die Gäste bestanden darauf.“ Für experimentierfreudige Gäste hält sie Rinderfilet auf grün-weißem Spargelrisotto mit Morchelrahm vor. Zu Ostern wird sie die Spargelkarte um Gerichte von Lamm und Hase erweitern. Wie alle Köche hofft sie, dass es bis dahin nicht zu kalt wird. Die Prognosen sind durchwachsen.

Brenner Regensburger Straße 7, Wilmersdorf, Di.–Sbd. ab 18 Uhr, Tel.: 23 62 44 70, restaurant-brenner.de

Lutter & Wegner Charlottenstraße 56, Mitte, tägl. ab 11 Uhr, Tel.: 202 95 40, www.laggner-gruppe.com

Vau Jägerstr. 54–55, Mitte, Mo.–Sbd. 12-14.30, 19–22.30 Uhr, Ostermo. geschlossen, Tel.: 20 29 73-0, vau-berlin.de