Bühnencheck

Akrobatisches Tanztheater

Der Tanz der beiden Einsamen ist so berührend, dass man für einige Momente das Chaos an den Rändern total vergisst.

In den Ecken der Bühne zeigt sich das Leben nämlich trist. Hier sitzen ein junger Mann und eine junge Frau vor ihren Laptops. Isoliert, versunken in ihre Facebook-Welt. Er hat genug vom hohlen Einerlei der zweidimensionalen Virtual Reality und will weg. Radikal. Das richtig Leben ist ihm fremd. Einziger Ausweg: Selbstmord.

Kann man wirklich noch unterscheiden, was real und was virtuell ist? Pierre Caesars Inszenierung „Wir. Sind das? Wir!“ in der Ufa-Fabrik zeigt, wie schwierig das sein kann: Folgt man nun dem Geschehen auf den drei Screens oder doch dem Paar in der Bühnenmitte? Was ist von den tausenderlei Eindrücken wichtig, was nicht? Ein hochaktuelles Thema. Das Akrobatik-Tanztheater vermag es jedoch nicht wirklich auf den Punkt zu bringen oder durchgehend zu fesseln.

Dabei ist die Bühnenpräsenz von Katharina Lebedew und Dennis Mac Dao unglaublich stark. Mit schwereloser Eleganz wirbeln sie akrobatisch und tänzerisch in grandiosen Choreografien über die Bühne. Doch zwischen virtuosen euphorischen Augenblicken und realer Verzweiflung der Figuren bremst Leerlauf den Abend, was die dünne Story stark fragmentiert. Es gelingt nicht, die widersprüchlichen Emotionen des Selbstmörders zu verdichten und zu zeigen, warum er an seinen parallelen Realitäten scheitert.

Ufa-Fabrik Viktoriastr. 10–18, Tempelhof, Tel. 75 50 30, 18.–22. 2., 20 Uhr, 19.–23. 3., 2.–5. 4., 9.–12.4., Mi.–Sbd. 20 Uhr, So. 19 Uhr, Karten 19 Euro