Kleine Entdeckungen

Das Teehaus von Schönhausen

In der barocken Umgebung des Schloss Schönhausen ist der 1951 errichtete Teepavillon ein Kuriosum. Er entstand, als das Schloss, das einst Wohnsitz der Ehefrau von Friedrichs des Großen war und den Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt überstanden hatte, schließlich zu Wilhelm Piecks Präsidialamtssitz wurde. Zahlreiche Umbauarbeiten im Inneren des Schlosses und auf dem Gelände wurden damals veranlasst.

Eine Mauer umrundete den neu gestalteten Präsidentengarten und trennte die Schlossallee von den Parks ab, die damals weitaus größer waren. Früher hatte eine Sichtachse ins Weite geführt, jetzt musste ein anderer Blickfang her. Man entschied sich für ein Teehaus, einen leichten Bau mit orientalischen Zügen. Das runde Dach läuft spitz zu, die Säulen tragen Pflanzendekor. Licht dringt durch die gläsernen Wände. Der Bau, der an eine Orangerie erinnern soll, ist ein Werk von Hans Grotewohl, dem Sohn des damaligen Ministerpräsidenten der DDR. Nach einer umfassenden Sanierung sind das Schloss und sein Garten seit 2009 für Besucher geöffnet.

Die Türen des kleinen Pavillons können geöffnet werden, der Innenraum jedoch ist verwaist. Ob auf der ehemals möblierten Terrasse früher tatsächlich Tee serviert wurde, ist alles andere als sicher. Die Museumsführer im Schloss können sich nicht erinnern, jemals von einer regelmäßigen Nutzung gehört zu haben. Zumindest theoretisch könnten damals Staatsgäste wie Fidel Castro, Ho Chi Minh, Indira Gandhi oder Chrustschow hier ein Tässchen Tee genossen haben.