Bühnencheck

Wenn das Gaslicht flackert

Es wäre schlicht zu höflich, würde man Jack Manningham bloß als fiesen Unsympathen bezeichnen.

Er ist herrisch, rücksichtslos und lässt keine Gelegenheit aus, seine Frau Bella zu demütigen. Seine wahren Absichten verbirgt er allerdings geschickt unter dem zivilen Deckmäntelchen, er würde nur ihr Bestes wollen. Schließlich verliert sie immer wieder Gegenstände, hat vergessliche Aussetzer und hört Geräusche, die es angeblich gar nicht gibt. Doch das dunkle, unheimliche Haus, das Jack gekauft hat und in das Bella gegen ihren Willen eingezogen ist, würde jeden das Grauen lehren.

Patrick Hamiltons Psychothriller „Gaslicht“ aus dem Jahr 1940 ist ein Genreklassiker, der auch noch nach Jahrzehnten mit raffinierter Story und einem atemberaubenden Showdown in Atem hält. Berühmt wurde vor allem die mit zwei Oscars ausgezeichnete Verfilmung von George Cukor unter dem Titel „Das Haus der Lady Alquist“ 1943 mit den Hollywood-Stars Ingrid Bergman, Charles Boyer und Joseph Cotton. Im Gegensatz zur Leinwandversion mit überbordendem viktorianischen Interieur zeigt sich die Inszenierung von Wolfgang Rumpf im Berliner Kriminal Theater ganz reduziert in kühlem Schwarz-Weiß. Der perfekte Rahmen für ein Kammerspiel der Extraklasse.

Bella (Julia Horvath) glaubt zunehmend den Einflüsterungen von Jack (Matti Wien), der ihr erzählt, dass sie den Verstand verliert. Mitten in ihrer größten Verzweiflung erscheint eines Abends ein älterer Herr, William Rough (Thomas Gumpert). Er verdächtigt Jack eines brutalen Mordes. Bella könnte sein nächstes Opfer sein.

Ein gewieftes, psychologisch fein gestricktes Stück um Lügen, Täuschungen und dunkle menschliche Abgründe in bedrohlicher, düsterer Atmosphäre. Spannung garantiert.

Berliner Kriminal Theater Palisadenstr. 48, Friedrichshain, Tel. 47 99 74 88, Vorstellungen: 16. 3., 17 Uhr, 21. & 25.3., 3., 16., 23. & 28. 4., 20 Uhr, 12. 4. um 16 & 20 Uhr, Karten kosten 19–36 Euro