Kinderfilm

Kleine Hexen, die fest im Sattel sitzen

In seinem Kinderfilm geht Detlev Buck manchmal der Gaul durch: „Bibi & Tina“

Gefilmt in sommerlich bunten Farben, angereichert mit zahlreichen Reitszenen und vielen Songeinlagen hört sich Detlev Bucks „Bibi & Tina“ auf dem Papier an wie ein ganz normaler Kinderfilm. Und oft ist die Geschichte der Gelegenheitshexe Bibi dies auch, läuft der Film entspannt und unbekümmert ab und verhandelt die Themen, die in diesem Alter entscheidend sind: Pferde, Stress mit den Eltern, erste Erfahrungen mit Jungs.

Auf dem Martinshof geht das Leben seinen gewohnten Gang: Bibi (Lina Larissa Strahl) und Tina (Lisa-Marie Koroll) sind beste Freundinnen und verbringen ihre Tage am liebsten Im Sattel ihrer Pferde. Gelegentlich setzt Bibi ihre Hexenkünste ein, sehr zum Unwillen von Tinas Mutter (Winnie Böwe). Doch Unbill naht in Gestalt des zwielichtigen Hans Kakmanns (Charly Hübner), der es zunächst scheinbar nur auf das Fohlen Socke abgesehen hat.

Das steht im Stall der Falkensteins, einem großen Anwesen, wo Graf Falko (Michael Maertens mit Monokel im Auge) gerade ein Reitturnier organisiert und sich um die Zukunft seines Sprösslings Alex (Louis Held) sorgt. Der ist mit Tina zusammen, aber schlecht in der Schule, weswegen er auf ein Internat in England gehen soll.

Dort lernt schon die junge, ebenso hübsche wie zickige Adlige Sophia von Gelenberg (Ruby O Fee), die ein paar Tage auf Falkenstein zu Besuch ist. Während Bibi und Tina herauszufinden versuchen, was Kakman im Schilde führt, bemüht sich Sophia um Alex. Doch erst beim finalen, großen Reitturnier kommen alle Handlungsstränge zusammen.

Ganz kindertauglich hört sich das an, doch immer wieder scheint Regisseur Detlev Buck im wahrsten Sinne des Wortes der Gaul durchgegangen zu sein, konnte er seine mal anarchische, mal zynische Ader nicht unterdrücken und reichert den Kinderfilm mit Szenen an, die aus „Bibi & Tina“ für Momente eine Art Kinderfilmsatire machen. Es beginnt mit den zahlreichen Songs, in die fast alle Darsteller mit schöner Regelmäßigkeit einfallen, geschrieben von Ex-Rosenstolz-Mitglied Peter Plate. Und während manche Songs tatsächlich kinderaffin sind, wirken andere mit ihren betont unbeholfenen Reimen und übertrieben deutlicher Aussage wie Werke eines Dada-Künstlers.

Wenn dazu dann noch der halbnackte Charly Hübner als geldgieriger Kakman durch seine Villa tanzt, sich in der Badewanne mit Dollarscheinen abreibt und zwei Lakaien dazu akrobatische Übungen zum Besten geben, fragt man sich, wo man gelandet ist. Verstören dürften solche Szenen das intendierte Kinderpublikum zwar nicht gerade – im Fernsehen läuft schließlich täglich auch im Nachmittagsprogramm noch Bizarreres –, aber etwas langweilig mögen solche überdrehten Szenen für sie schon sein. Doch wenn sich Buck ein paar Minuten ausgetobt hat, findet er immer wieder die Kurve und macht „Bibi & Tina“ zu einem netten Kinderfilm. Der zwischendurch immer wieder sehr merkwürdig verläuft.

Kinderfilm: D 2013, 100 min., von Detlev Buck, mit Lina Larissa Strahl, Lisa-Marie Koroll

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