Trus Top-Tipp

Intimitäten

Spreeradio-Moderator Jochen Trus empfiehlt John Grant

Zum Anschauen: Na klar, wir wissen alle, dass Karl May niemals im Wilden Westen war. Aber es liegt wohl in der Natur der Sache, dass man am allerbesten über Dinge schreiben kann, die man auch tatsächlich erlebt oder aber überlebt hat. Songschreiber legen in der Regel eine Menge Autobiografisches in ihre Songs. Einige tun das mithilfe von Metaphern und bleiben als Personen undeutlich, man denke nur an das Charakter-Chamäleon Bob Dylan. John Grant dagegen kehrt sein Intimstes nach außen. Homosexuell, ehemals drogenabhängig und HIV-positiv ist er – und außerdem einer, der exzellente Songs schreiben kann. Am Dienstag spielt der Ex-Frontman der Noir-Folk-Helden The Czars ein exklusives Konzert im Berghain.

Zum Anhören: „Pale Green Ghosts“ ist das zweite Soloalbum von John Grant. Es vermischt auf ungewöhnliche Weise das klassische Songwriter-Genre mit zeitgenössischen Clubsounds oder dem nüchternen Synthie-Pop der 80er-Jahre und schafft eine sehr eigene und trotzdem stimmige, homogene musikalische Welt. Melancholische Indie-Balladen, die schon allein mit Gitarrenbegleitung schön wären, verschmelzen mit Sounds, die von Kraftwerk-Aufnahmen der späten 70er-Jahre stammen könnten. Dazu gewährt Grants Stimme schmerzlich intime Einblicke in sein Seelenleben.

Weitere Tipps des beliebten Moderators bekommen Sie bei „Jochen Trus am Morgen“ auf 105’5 Spreeradio