Arnos Woche

Sicherheit und Irrsinn

Arno Müller über den umständlichen Service eines Kreditkarten-Anbieters

Ich habe seit kurzem eine neue Kreditkarte von einer Berliner Bank, die in Zusammenarbeit mit einer großen Airline herausgegeben wird. Für jeden Euro, den ich mit dieser Karte ausgebe, bekomme ich von der Fluggesellschaft Meilen gutgeschrieben, die ich für Prämienflugbuchungen nutzen kann. Das ist toll, und deshalb habe ich mich für dieses Angebot entschieden.

Was gar nicht großartig ist, sind die Sicherheitsvorschriften dieser Bank. Ich habe noch nie in meinem Leben so oft mit einem Geldinstitut telefoniert. Egal, ob ich mit der Kreditkarte an der Kasse eines Klamottenladens stehe, eine Online-Buchung im Internet bezahlen möchte oder eine Hotelrechnung – es gibt Probleme: Die Belastung der Karte wird erst einmal abgelehnt. Dann muss ich anrufen und die Zahlung mündlich extra autorisieren. Danach funktioniert es. Meistens. Vor ein paar Minuten jedoch wurde eine Zahlung trotz meiner vorherigen telefonischen Ankündigung abgelehnt, weil der Zahlungsempfänger angeblich zu lange gewartet hatte. Als ich der Servicemitarbeiterin daraufhin sagte, dass ich die Karte zurückschicken würde, wenn das noch ein Mal nicht funktioniert, meinte sie, ich solle ihr nicht drohen. Hallo – geht’s noch? Ist es schon eine Drohung, wenn man nicht mehr für einen Service bezahlen möchte, der nicht funktioniert?

Verstehen Sie mich nicht falsch. Sicherheitsvorschriften gerade im Umgang mit Geld sind wichtig. Es wird viel Unfug getrieben. Trotzdem dürfen diese Vorgaben ja wohl nicht die eigentliche Dienstleistung verhindern. Jede Kreditkarte hat ein Limit und Zahlungen in diesem Rahmen sollten ohne Probleme durchgeführt werden können. Sonst braucht man doch gar keine. Die Kosten, die der Bank entstehen, wenn jede Zahlung vorher telefonisch freigegeben werden muss, sind sehr wahrscheinlich höher als eine Versicherung, die einen Missbrauch abdecken würde. Mal abgesehen von den Unannehmlichkeiten für die Kunden. Banken sollten ihre Kunden schützen. Das darf aber nicht so weit gehen, dass die gekaufte Dienstleistung auf der Strecke bleibt.

Arno Müller ist Programmdirektor von 104.6 RTL und Moderator von „Arno und die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von 5 bis 10 Uhr)