Berliner Perlen

Mit Liebe eingefädelt

Bei „Pasalumapi“ in Spandau gibt es handgemachte Unikate. Ob Fingerring, Wanduhr oder Tischleuchte: Hier wird ausschließlich genäht, gestrickt, gefilzt oder gehäkelt

Angefangen hat alles mit einem Sitzsack. Oder mit einer von den Umhängetaschen. Wie auch immer. Den großen Sitzsack jedenfalls hat Marta Jaroszewski mit einigen anderen ihrer „handgemachten Lieblinge“ im Fenster drapiert, damals vor knapp einem Jahr. An eine Verkaufsauslage hatte die Selfmade-Kunsthandwerkerin dabei nicht gedacht. Ihre textilen Kunstwerke wollte sie weiterhin über das Internet verkaufen. Gerade einmal ihren Küchentisch und zwei Schränke hatte sie in die frisch gemieteten Ladenräume in Spandau geschafft, die sie als Atelier nutzen wollte.

Als die ersten Passanten in ihre Nähstube hereinspazierten, fühlte Jaroszewski sich etwas überrumpelt. Wunderbar sei das, wenn in der Wilhelmstadt jemand so etwas Schönes mache, sagten die Besucher, die trotz fehlenden Firmenschildes glaubten, in einem Laden zu stehen. Rundherum buhlen an der Pichelsdorfer Straße nämlich Handyshops, Ein-Euro-Läden und Imbissbuden mit viel zu großen Leuchtreklamen um Aufmerksamkeit. Marta Jaroszewskis selbst entworfene und genähte Alltags-Accessoires fallen in dieser Umgebung auf: Sie sind heiter, aber aller Verspieltheit zum Trotz gradlinig und dabei mit Liebe zum Detail gefertigt. Jede Borte, jeder Schmuck wurde mit Bedacht platziert.

Besondere Sorgfalt gilt der Wahl der Stoffe, aus denen dann farbenfrohe Buchhüllen oder Handytäschchen, Tischwäsche oder Schals, Einkaufsbeutel oder gefaltete „Stoff-Körbchen“ für Brot und Brötchen entstehen. Eine von den Umhängetaschen war es, die Jaroszewski an ihre erste Kundin im Atelier verkaufte. „Dann kam die nächste Kundin und noch eine. Kurz darauf gingen die ersten Bestellungen bei mir ein“, erinnert sie sich. Jetzt musste also doch ein Geschäftsschild her. Der Name „Pasalumapi“, den Jaroszewski wählte, ist ein Wortspiel, das sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen ihrer fünfköpfigen Familie zusammensetzt.

Schnittmuster aus Übersee

Es dauerte nicht lange, da fand die heute 41-Jährige in ihrer neuen Rolle als Ladeninhaberin so manches wieder, das sie in ihren früheren Berufen geschätzt hatte. Die schöpferische Feinarbeit, die sie als gelernte Zahntechnikerin perfektioniert hatte. Den Umgang mit Menschen, der ihre Arbeit als Altenpflegerin prägte. „Der Laden ist eine Art Treffpunkt geworden, ich habe hier viele Menschen kennengelernt. Auch Freundschaften sind so bereits entstanden“, sagt Jaroszweski. Vor allem schätzt sie, dass sie „hier nähen und kreativ sein“ kann.

Eine Nähmaschine rattert schon durch die Kindheitserinnerungen der gebürtigen Polin, schließlich fertigte die Mutter einen großen Teil der Kleidung für die Familie selbst an. „Mein Vater war Seemann und brachte Stoffe und Schnittmuster von seinen Fahrten mit“, erinnert sich Marta Jaroszewski. Professionell gelernt haben weder die Mutter noch sie selbst das Handwerk.

Die Prägung, die Jaroszewski im Stettiner Elternhaus und bei den Großeltern auf dem Land erfuhr, schlägt sich bis heute in ihrem Stil nieder. Stoffmuster der 70er-Jahre und Designs, die jeder Landhaus-Nostalgie Ehre machen, prägen ihre Werke. Besondere Freude bereitet es ihr, alte, aber neuwertige Stoffe „wiederverwerten“ zu können. „Meine Mutter“, berichtet sie „hatte ein Abendkleid, das über die Jahre immer wieder umgearbeitet wurde. Nach jeder Änderung wurde etwas ganz anderes daraus – bis zuletzt ein Top übrig blieb.“

Auch sie selbst trennt für ein schönes neues Stück schon mal Textilien auf, kauft gut erhaltene Haushaltswäsche oder Gardinenstoffe in Antikläden und auf Flohmärkten. Dabei ist sie sehr wählerisch. „Meistens kaufe ich höchstens ein oder zwei Teile. Die Sachen müssen mich ansprechen, müssen regelrecht rufen: ,Kauf mich!‘“, sagt sie.

Die Socken der Opernsängerin

Dass ihr origineller Stil ankommt, merkte Marta Jaroszewski nicht nur an den Kunden, sondern auch an anderen Besuchern. Gaby Wolf ist eine von denen, die irgendwann in der Tür standen und ihre Erzeugnisse vorzeigten. „Lupolupina“ heißt das Label, unter dem sie seither Stofftiere, Schminktäschchen oder Armbänder bei Pasalumapi anbietet. Peppige Schals oder Mützen hat Sandra-Celine Probst gehäkelt, auch ein Handarbeitsbuch der 17-Jährigen ist im Laden zu bekommen. Von ihrer Mutter Sandra Probst stammen gefilzte Kunstwerke wie Dekoartikel, Schmuck oder Obst und Gemüse für den Kinder-Kaufmannsladen. Alle Produkte sind Unikate, ihre Schöpferinnen sind Autodidaktinnen und hauptberuflich in anderen Branchen engagiert. So steht hinter „Mimimade“, einer Marke für handgestrickte Kinderpullis, Kleidchen oder Socken, eine Chorsängerin der Deutschen Oper.

Für sich behalten will Jaroszewski ihr Können nicht. Interessenten könne einen Workshop bei ihr buchen, auch Kinder haben im Atelier neben dem Ladenraum schon Hefthüllen oder Schlüsselbänder gefertigt. Auf Bestellung fertigt Jaroszewski auch individuelle Stücke an.

Pasalumapi Pichelsdorfer Str. 137, Spandau, Tel. 20 62 23 47, Di.–Fr. 11–17 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr, www.pasalumapi.blogspot.com