Ausflugstipp

Unterwegs in Köpenick zum Schloss und durch die Altstadt

„850 Meter bis zum Schloss Köpenick mit Kunstgewerbemuseum“ – so zeigt es das blaue Schild auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs Spindlersfeld (S 47) an.

Ein kleiner Spaziergang also, kein Kilometer, mit dem unser Ausflug durch den Bezirk Treptow-Köpenick im Südosten von Berlin beginnt.

Köpenick kann auf eine mittelalterliche Stadttradition verweisen: Es ging aus slawischen Burgwällen hervor, erhielt bereits im Mittelalter das Stadtrecht und verfügt bis heute über einen gut erhaltenen Altstadtkern. Seit dem 1. Oktober 1920 gehört es zu Berlin und war bis 1990 ein eigenständiger Bezirk. Natürlich kennt jeder den Schuster Wilhelm Voigt, der 1906 als „Hauptmann von Köpenick“ die damalige Stadt berühmt machte und Carl Zuckmayer als Romanvorlage diente.

Die Oberspreestraße entlang geht es über die Lange Brücke. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf Schlossinsel und Barockschloss. Etwas weiter voraus führt eine hölzerne Brücke über den Schlossgraben in den Innenhof zu Kirche und Museum. Kurfürst Friedrich III. hatte einen holländischen Baumeister mit der Errichtung des Schlosses (1677-1681) beauftragt. Es diente bis Ende des 18. Jahrhunderts als Domizil für die Angehörigen preußischer Könige. Im 1690 angelegten Park sieht man jetzt die Skulpturen wie „Zwei Giraffen“ (1977) und die „Hühnerdiebfigur“ (1912).

Seit 2004 beherbergt das Anwesen einen Teil des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Museen zu Berlin mit der Dauerausstellung „Raumkunst aus Renaissance, Barock und Rokoko“. Direkt gegenüber führt uns die Straße Alt-Köpenick in die Fußgängerzone der Altstadt. Das berühmte Rathaus aus rotem Backstein mit 54 Meter hohem Eckturm wurde feierlich im Oktober 1905 eingeweiht. Nur ein Jahr später sollte der arbeitslose Schuster Wilhelm Voigt in einer beim Trödler erworbenen Uniform eines Hauptmanns des 1. Garderegiments den damaligen Bürgermeister und den Kassendirektor verhaften und anschließend mit der Stadtkasse fliehen. Um des Gaunerstücks zu gedenken, tritt mittwochs und sonnabends die Köpenicker Hauptmannsgarde vor dem Rathaus zu einem 20 minütigen Schauspiel an, allerdings, so informiert ein Schild am Portal, haben „die Soldaten“ bis zum 14. März Winterpause.

An der Laurenzstraße biegen wir rechts ab. Nicht ohne der St-Laurentius-Stadtkirche, einem Backsteinbau mit Rundbogenfenstern, einen Besuch abzustatten. Sie wurde 1841 in Anwesenheit von König Friedrich Wilhelm IV. und seiner Frau Elisabeth feierlich eingeweiht. Im Jahr 2004 musste der Kirchturm saniert und renoviert werden. Dabei fand man in der Turmkugel einige wertvolle Dokumente wie die Kopie eines Ablassbrief sowie weitere Schriftstücke und Münzen. Diese sind nun in einer Ausstellung im Gotteshaus zu besichtigen.

Durch Laurenzstraße und Kietzer Straße geht es zur Müggelheimer Straße. Entweder laufen wir abschließend zurück zum S-Bahnhof oder nehmen die Tram 60.