Junge Oper

Vertonung des inneren Fotoalbums

In der „Zille 54“, dem Haus der Jugend, proben Rockmusiker die Unsterblichkeit

Wie klingt Unsterblichkeit, wenn man noch keine zwanzig ist – und wie könnte sie aussehen? Jugendliche vom Haus der Jugend in der Zillestraße 54, der Charlottenburger Paula-Fürst-Schule und der Jugendkunstschule Pankow präsentieren ihre Antworten am 21. und 22. März (17-19.30 Uhr) beim kleinen „Unsterblichkeits-Festival“ - eine Begleitveranstaltung zur Uraufführung „Gilgamesh Must Die!“ nebenan in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin.

Im kleinen Büro der „Zille 54“ lärmt ausdauernd das Telefon, an den Tischtennisplatten im Hintergrund findet ein wildes Match statt, ein Jugendlicher erkundigt sich nach dem Vorpraktikum in der Erzieherausbildung. Mitarbeiter kommen und gehen, wollen diverse Fragen loswerden. Musikcoach Arno Zillmer lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen. Der 33-jährige Musiker und Erzieher hat Anfang letzten Jahres das „etwas brachliegende Musikcoaching“ in der Jugendeinrichtung übernommen und führt die seit 2012 bestehende Kooperation mit der Deutschen Oper Berlin fort.

Ob Film, Theater oder Musik: Kreativität soll soweit gefördert werden, dass die Jugendlichen nach ein paar Jahren entweder „semi-professionell weitermachen“, eine Studienplatzbewerbung losschicken oder sich um einen Plattenvertrag bemühen können. In der „Zille 54“ gibt es beispielsweise nicht nur einen Probenraum und brauchbare Instrumente, sondern sogar ein Tonstudio. Arno Zillmer lehrt die instrumentale Basis. Dazu kommen Grundlagen des Arrangierens, Textens, Zusammenspiels und – sehr wichtig – wie man sich auf einer Bühne bewegt. Nicht die instrumentale Perfektion, sondern ein Auftritt sei primäres Ziel.

„Der Beat der Unsterblichkeit // der Beat der Unsterblichkeit…“ – es klingt, als würde der Grunge der frühen 90er im ersten Stock der „Zille 54“ weiterleben. Darauf wollen sich Jan, Lui, Mirko, Verena und Vincent aber nicht festlegen: Ihr neuer zweiter Song sei eher Rock, erzählen die Bandmitglieder. Aber der befindet sich noch im Werkstattstadium und bleibt erst mal unter Verschluss. Heute proben sie den ersten. Die 16- bis 19-Jährigen treffen sich seit einem halben Jahr einmal in der Woche mit Musikcoach Arno. Auf einer Bühne zu stehen und eigene Songs zu singen, die ihr Inneres zu einem gewissen Grad entblößen, ist für sie Neuland. „Am Anfang haben wir zum Beispiel ,Personal Jesus’ von Depeche Mode gecovert. Dann hat Arno plötzlich gefragt, wie für uns eigentlich Unsterblichkeit klingt und ob wir dazu einen Song für das Festival schreiben wollen“, erinnert sich Vincent.

Geduld und Durchhaltevermögen sind wichtig. „Ich hab gemerkt, dass man nur mit Improvisieren nicht weiterkommt. Also setz’ ich mich hin und mach’ mir Gedanken“, erzählt Sänger Jan trocken. Mit Gitarristin Verena ist er die Lyrics-Schmiede der Band. Mal ist zuerst der Text, mal zuerst die Musik da. „Eigene Stücke zu schreiben, ist viel schwieriger als das Covern von Songs“, bilanziert Bassist Lui. Aber alle nicken, als Drummer Mirko die Wirkung der wöchentlichen Proben beschreibt: „Die Band ist etwas, wobei ich den Kopf freibekomme, kein Druck.“

Aber wie ist das nun mit der Unsterblichkeit – denken sie dabei an Ruhm, Ehre, die Rock’n’Roll Hall of Fame? Oder an ein Weiterleben im Jenseits? Grinsen und Kopfschütteln. „Eher an die kleinen Dinge“, sagt Verena. „An allem, was hier lebt und liebt, nagt der Zahn der Zeit“ hat Jan vorhin gesungen. Sogar an der Erinnerung an den ersten Kuss, wirft einer der Jungs jetzt ein.

Das eigene innere „Fotoalbum“ intensiver Erlebnisse, Momente und Begegnungen in Töne zu setzen, sich nicht nur selbst zu erinnern, sondern andere durch die Songs ins eigenen Erinnern hineinzuziehen – das geht schon schwer in Richtung Unsterblichkeit.

Am 21. und 22.3., 17-19.30 Uhr, Haus der Jugend, Zillestr. 54: Mit Band-Auftritt, Streetart, Theater, Film u.v.m.