Komödie

Schuld an allem ist der Erzeuger

Da wollte jemand einen ganz schrägen Film machen, hat sich am Ende aber doch nicht getraut: „DeAd“

Ziemlich rasant beginnt Sven Halfars Spielfilmdebüt „DeAD“ gerade für einen deutschen Film: Ein animierter Vorspann, grelle Farben, fetzige Musik, coole Typen, die im 70er-Jahre Sportwagen durch die Gegend rasen. Etwas zu sehr nach Tarantino sieht das Ganze zwar aus, so wie eine der vielen Nachahmungen, die in Folge von „Pulp Fiction“ gedreht wurden. In diese Richtung bewegt sich Halfars Film nicht, leider muss man sagen, denn nach einem verheißungsvollen Beginn wird „DeAD“ schnell sehr Deutsch.

Es geht um den coolen Patrick (Tilman Strauß), der gleich in der ersten Szene seine Mutter gefunden hat: erhängt in ihrer heruntergekommenen Wohnung, erschöpft von einem Leben im Rausch. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen sieht Patrick den Schuldigen in Reimund Borz (Thomas Schendel), mit dem seine Mutter vor Jahrzehnten einen One Night Stand hatte, dessen Ergebnis Patrick ist. Zusammen mit seinem Kumpel Elmer (Niklas Kohrt), macht sich Patrick auf den Weg ins schicke Eigenheim seines Erzeugers.

Der feiert gerade seinen 60. Geburtstag, gemeinsam mit der aktuellen Ehefrau Judith (Judith Rosmair), der pubertierenden Tochter Romy (Ruby O. Fee) und einem besonderen Gast: Reimunds Ex-Frau Birgit (Suzanne von Borsody) und ihr schnöseliger Sohn Holger (Tobias Kay). Im Laufe eines zunehmend intensiven, zunehmend blutigen Nachmittags kommen lange verdrängte Geheimnisse an die Oberfläche, die die schöne Fassade der heilen Vorstadtwelt zum Einsturz bringen.

Es soll wohl um väterliche Verantwortung gehen, um die Folgen von Handlungen, die teils weit in der Vergangenheit zurückliegen, die aber dennoch die Gegenwart bestimmen. Warum sich Patricks Mutter allerdings ausgerechnet jetzt das Leben genommen hat und warum der Grund ein lange zurückliegender One-Night-Stand gewesen sein soll, bleibt nicht die einzige Ungereimtheit der zunehmend konfusen Geschichte.

Irgendwie scheint Sven Halfar nach kurzer Zeit der Mut verlassen zu haben. So schillernde Charaktere hatte er etabliert, sich an grotesken Humor versucht und originell inszeniert, bloß um dann nach gut einer halben Stunde in ein typisch deutsches Kammerspiel abzudriften. Probleme werden da gewälzt, sehr viel und sehr hochgestochen geredet, jeder Charakter hat seinen psychologischen Makel, der ausgelebt werden will. Diese Dekonstruktion von Familienstrukturen hat das deutsche Kino in den letzten Jahrzehnten immer wieder durchgespielt, oft auch mit großer Qualität, doch gibt es nicht auch anderes zu erzählen?

Statt die anfänglichen Ansätze weiterzuführen, etwas zu riskieren, vielleicht auch grandios zu scheitern, schlägt Sven Halfar eine nur vermeintliche sichere Bahn ein: Doch was er dabei über Familien und ihre Probleme zu erzählen hat, ist weder originell noch interessant, sondern schlichtweg uninteressant.

Komödie: D 2014, 104 min., von Sven Halfar, mit Tilman Strauß, Thomas Schendel, Niklas Kohrt

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