Bühnencheck

Ein Kölner namens Fatih

Komplett katholisch sozialisiert. Von der Geburt bis zum Schulabschluss.

Fatih Çevikkollu ist ein waschechter „kölscher Jong“. Mit türkischem Migrationshintergrund. Wird er im Ausland gefragt, wo er herkommt, sagt er natürlich, aus Deutschland. Auf erstaunte Blicke wegen seiner Erscheinung reagiert er dabei salopp: „So sehen wir jetzt aus. Wir haben den Laden mal eben übernommen!“

Bekannt wurde der Rheinländer durch die TV-Sitcom „Alles Atze“. Bis 2007 stand er als türkischer Azubi Murat mit Comedy-Star Atze Schröder vor der Kamera. Seine Schauspielausbildung absolvierte er an der Hochschule Ernst Busch in Berlin. Gastspiel-Ort an der Spree ist seit langem die Ufa Fabrik. Hier präsentiert er auch sein viertes Bühnensolo „Fatih Tag“.

Wie gewohnt spielt er dabei gern mit Klischees, sowohl mit deutschen als auch türkischen. Er denkt Ressentiments gern quer, strapaziert sie auch mal arg über. Krumm nimmt man es ihm nicht, schlägt er doch aus den interkulturellen Animositäten reichlich Pointenkapital.

Wenngleich auch mancher Gag verpufft, weil das Timing nicht immer stimmt. Insgesamt aber ist es ein gelungener Abend, bei dem es Çevikkollu nicht um Identitätsfindung geht. Er ist Kölner. Allerdings mit einem erweiterten, sehr satirischen Blick auf Politik und Gesellschaft. Bitterböse und urkomisch das alles. Dass er zudem noch ein exzellenter Komiker ist, beweist Çevikkollu als Brasilianer João. Der hat gerade die Literatur für sich entdeckt und zitiert aus „Faustn von Götn“. Sehr gelungen.

Ufa Fabrik Viktoriastr. 10-18, Tempelhof, Tel. 75 50 30. 18.–22.2., 20 Uhr. 23.2. in türkischer Sprache, 20 Uhr. Karten kosten 19 Euro