Bühnencheck

Der diskrete Schwarm

Eine schicke Upperclass-Clique verabredet sich wiederholt zum stilvollen Abendessen, wird aber ständig um den kulinarischen Genuss gebracht: Mal haben die Eingeladenen das Datum verwechselt, mal werden sie verhaftet, mal bei einem Terroranschlag niedergemäht.

Sie stehen aber sofort wieder auf. Nur, um es erneut mit einem Diner zu versuchen, wobei sie selbstredend sofort wieder gestört werden.

Eine wilde Geschichte, die Luis Buñuels 1973 oscarprämierter Filmklassiker „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ erzählt. Frei nach Buñuel folgt Performancekünstlerin Anne Tismer der surreal verschlungenen Handlung und macht daraus ein Gesamtkunstwerk: „Der diskrete Schwarm der Bourgeoisie“ ist die dritte Zusammenarbeit der ehemaligen Schaubühnen-Schauspielerin und Mitbegründerin des Ballhauses Ost mit dem Theater Thikwa.

Anne Tismer und das Ensemble von Künstlern mit und ohne Handicap machen Buñuels beißende Gesellschaftskritik zu etwas ganz Besonderem. Allein schon wegen des überbordenden Bühnenbilds und der Fülle selbst gebauter Requisiten. Neben Pappmaché-Auto, Garten und einem ganzen Planetensystemen finden hier Wohn- und Esszimmer, ein Atelier, Strick-Maschinengewehre und ein hübscher Häkelpanzer Platz.

Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen und welchem Erzählstrang man folgen soll. Manches entpuppt sich fernab der irren Bühnenrealität als Traum im Traum. Trotz einer gewissen Verwirrung ist der optisch skurrile und dialogisch witzige Abend ein pures Vergnügen.

Theater Thikwa Fidicinstraße 40, Kreuzberg, Tel. 695 05 09 22, Vorstellungen 29.1.–1.2., 20 Uhr, Tickets 16/10 Euro