Ausflugstipp

Vom alten Kirchhof über die Yorckstraße zu St. Bonifatius

Reisende der S-Bahn-Linie 1 von Potsdam nach Oranienburg erhaschen beim Stopp am Bahnhof Yorckstraße einen Blick auf monumentale Grabstätten mit Statuen, Mausoleen und eine barockartigen Kapelle: Sie gehören zum Alten St.-Matthäus-Kirchhof an der Schöneberger Großgörschenstraße. Mit einem Gang über den historischen Friedhof startet unser Ausflug.

Im März 1856 geweiht, gehörte der Kirchhof anfangs zur im südlichen Tiergartenviertel gelegenen St. Matthäus-Gemeinde (am heutigen Kulturforum). Seit 2001 ist die evangelische Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde sein Träger. Über verschneite Wege geht es an Gräbern prominenter Persönlichkeiten vorbei. Carl Bolle (1833-1910), der Berliner Begründer der mobilen Meierei mit „Bollewagen“, hat hier seine letzte Ruhestätte, ebenso die Sprachwissenschaftler und Märchensammler Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859), oder der Musiker der Band „Ton Steine Scherben“, Rio Reiser (1950-1996).

Mit Girlanden und bunten Figuren im Schnee ist der „Garten der Sternenkinder“, eine Ruhe- und Gedenkstätte für Fehl- oder Totgeburten, die wohl traurigste Ecke auf dem Friedhof. Eine Seltenheit ist das „Finovo“. Es war lange das einzige Friedhofscafé in Berlin.

Durch die Katzlerstraße geht es zurück zur Yorckstraße, die an dieser Stelle eine gigantische Baustelle ist: In den kommenden vier Jahren sollen sechs der insgesamt 30 unter Denkmalschutz stehenden Eisenbahnbrücken (erbaut um 1880) saniert werden.

Wir spazieren die Yorckstraße entlang, unter den Brücken, vorbei an Bahnhöfen und dem Park am Gleisdreieck. An der Möckernstraße kann wieder eine Baustelle bewundert werden: Am Gleisdreieckspark plant die Genossenschaft „Initiative Möckernkiez“ den Bau eines Stadtquartiers mit Wohnungen, Hotel, Restaurants und Gewerbestätten.

An der Großbeerenstraße, existiert in einem mit reichlich Stuck verzierten Wohnhaus seit über 100 Jahren die heutige Jazz-Kneipe „Yorckschlösschen“. Ein Stück weiter, gegenüber dem Rathaus Kreuzberg, ist ein denkmalgeschütztes Bauensemble aus der Gründerzeit: Riehmers Hofgarten. Es wurde von den Berliner Bauherren und Architekten Wilhelm Riehmer sowie Otto Mrosk entworfen und von 1880 bis 1899 erbaut. Mittelpunkt des seit 1953 unter Denkmalschutz stehenden Ensembles ist ein von Miethäusern umschlossener Innenhof mit Garten.

Die benachbarte Kirche St. Bonifatius wurde 1906/1907 nach Plänen von Max Hasak im neugotischen Stil errichtet. Der Vorraum ist geöffnet, so dass abschließend auch ein Blick ins Kircheninnere erlaubt ist.