Ausflugs-Tipp

Die „Pestalozzi“ entlang vom Savignyplatz zum Lietzensee

Wer die Kant- und Bismarckstraße kennt, schätzt diese Magistralen als zweckmäßige Verkehrsadern zwischen der City und Charlottenburgs Westen, weniger als Wege für beschauliches Flanieren.

Doch zwischen diesen pulsierenden Verkehrsadern verläuft eine Straße, die von der Grolmanstraße am Savignyplatz bis zum Lietzensee zum Spaziergang einlädt: die Pestalozzistraße, 1887 nach dem Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827) benannt. Breit und gesäumt von Mietshäusern gibt es dort auf etwa zwei Kilometern viel Interessantes zu entdecken.

Zu allererst die zahlreichen Geschäfte, Antiquariate und Antiquitätenhändler, Feinkost- und Modeläden, Werkstätten, Weinhandlungen, Friseursalons, diverse Restaurants und Cafés. Besonders auffällig ist die unerwartete Abgeschiedenheit, die die Mieter animiert, ihr Dasein im Parterre öffentlich zu zelebrieren. So kann man von der Straße aus einen Blick in Wohnzimmer, Kitas oder Werkstätten werfen.

Auch das geistliche Leben gehört dazu. Hinter Nummer 14 befindet sich in sicherer Verborgenheit auf dem Hinterhof eine Synagoge , eine der wenigen intakt gebliebenen, die als jüdisches Gotteshaus genutzt werden. Sie wurde 1911/12 erbaut und bot 1400 Gottesdienstbesuchern Platz. Im November 1938 wurde sie zwar schwer demoliert, aber wegen ihrer Hoflage nicht in Brand gesteckt. Derzeit wird sie saniert, durch einen Sehschlitz in der Tür kann man aber einen Blick auf das Gebäude werfen.

Über die Leibnizstraße hinweg erreicht man nach wenigen Metern die imposante Trinitatis-Kirche auf dem Karl-August-Platz , der 1894 als Markt- und Schmuckplatz angelegt und 1897 nach dem Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach benannt wurde. Die Kirche wurde 1896-98 als neugotischer Zentralbau errichtet. Nach Kriegsschäden wurde die Kirche 1951-53 wiederhergestellt. Ein Höhepunkt auf dem Platz ist zwei Mal pro Woche der vielleicht schönste Markt der Stadt (Mi., 8-13 Uhr; Sbd., 8-14 Uhr).

Weiter über die Wilmersdorfer Straße, dann über die Suarezstraße mit ihren Antikgeschäften, mündet die Pestalozzistraße dahinter in die Steifensandstraße, auf der man nach wenigen Metern die Witzlebenstraße und den Lietzensee mit seinem weitläufigen Park erreicht. Dort kann der Spaziergang enden oder noch der Lietzensee auf einem zwei Kilometer langen Wanderweg umrundet werden.