Biopic

Im Goldenen Käfig

Ein Film über die letzten beiden Jahre im Leben der Lady Diana Spencer: „Diana“

Man sollte vielleicht einmal eine Geschichte der falschen Nase im Kino schreiben, insbesondere bei Frauen. Margaret Hamilton, die böse Hexe aus dem Musical-Klassiker „Das zauberhafte Land“ von 1939, bereitet bis heute mit ihrem giftgrünen Höckerzinken Generationen von Kinder Albträume, während sich Nicole Kidman 2003 ihren Oscar als Virgiania Woolf in „The Hours“ vor allem dank ihres viel diskutierten Gummi-Erkers erspielte.

Auch in Oliver Hirschbiegels Film „Diana“ musste sich Naomi Watts beim Englandstart im November unverdienten Hohn und Spott gefallen lassen, weil sie außer der falschen Nase und der Föhnfrisur nur wenig mit der echten Prinzessin der Herzen verbinden würde. Dabei ist die unerschrockene Australierin eine hervorragende Schauspielerin.

Auch wenn keiner von uns die Princess of Wales wirklich kannte, ist sie uns doch als gute, unseren Nachrichten- und Klatschalltag zuverlässig begleitende Bekannte noch lebhaft in Erinnerung. Die Traumhochzeit mit Prinz Charles, ihre Geburten, aber auch ihre Eheprobleme, Seitensprünge, Bulemieanfälle, Scheidung und Charity-Anstrengungen von Aids bis Landminen, ihr tragisches Sterben, die Trauer, die danach die ganze Welt überschwemmte und sogar die Queen protokollarisch in die Knie zwang, sie sind Teil unserer kollektiven Alltags-DNA. Insofern hat jeder sein eigenes Diana-Bild.

Klar gibt es längst diverse, ziemlich seichte und oberflächliche filmische Aufarbeitungen dieser Medienikone. Oliver Hirschbiegel wollte natürlich mehr. Sein solider, sauber gemachter „Diana“-Film schielt nach dem Vorbild von Stephen Frears’ „The Queen“. Das ist leider unerreicht. Das wie ein offenes Buch ausgebreitete Leben der Lady Diana Spencer hätte auch einer der vielen Kitschromane aus der Feder ihrer Stiefgroßmutter Barbara Cartland sein können. So rosarot verlief das über weite Strecken. Damit ist das Problem auch virulent, das jeder hat, der sich der Person Diana nähert.

Da ist nicht viel mehr als eine verwöhnte, nicht sonderlich gebildete englische Oberschicht-Tochter, die sich der eher heiratsunwillige Thronfolger zufällig als Mutter seiner Nachkommen auserkoren hatte. Empathisches Interesse gewinnt Diana nur im medial inszenierten Abnabelungsprozess vom ungeliebten Königshaus, Größe gar höchstens als von den Paparazzi gejagte, mit diesen spielende, schließlich zur Autounfallstrecke gebrachten Beute. Solche zeigt Hirschbiegel auch, szenenweise, ohne diese aufklärerische Emphase beibehalten zu können.

Paris, Place Vendôme draußen, Schnitt, die Präsidentensuite im Hotel Ritz. Wir folgen Diana von hinten, aus dem Bad, durch die Zimmer bis in die Limousine. Wir wissen mehr und folgen dem Objekt unsere Begierde wie eine Aufklärungsdrohne. Bis hierhin, gerade in seinen inhaltlichen Ellipsen, ist das ein spannender Auftakt.

Doch jetzt kommen die Rückblenden. Hirschbiegel konzentriert sich auf das Jahr davor, als die Prinzessin frisch geschieden, im Kensington Palast luxuriös eingesargt, nach einem neuen Lebenssinn sucht. Bei einem Krankenbesuch macht sie die Bekanntschaft des pakistanischen Herzchirurgen Dr. Hasnat Kahn (Naveen Amdrews). Hier nun entspinnt sich die letzte, die unbekannteste Liebesgeschichte Dianas; wenn man einmal annimmt, was der Film auch suggeriert, dass der Yacht-Sommer mit Dodi Al Fayed nur eine Inszenierung war, um die eigene Familie, aber auch Hasnat aus der Reserve zu locken.

Der nämlich kann sich eine amouröse Koexistenz dieser beiden so unterschiedlichen Welten nicht vorstellen. Der Doktor, der in seinem Beruf aufgeht und eine verwöhnte Frau, die nie arbeiten, ja nicht einmal kochen muss, das wird nicht funktionieren. Hasnat nabelt sich ab. Diana flüchtet sich in ein Sommerabenteuer.

Doch der Zuschauer hat das Nachsehen. Hier wird nichts erklärt, wenig vertieft, besonders nicht Hasnats Beweggründe. Hirschbiegel bleibt in immer neuen Einstellungen aus Limousinen und Palastgemächern hängen. Und Naomi Watts hat keine Chance, ihrem Charakter Mehrwert zu verleihen. Wir wissen am Ende von „Diana“ soviel über Diana wie vorher, sympathischer ist sie uns auch nicht geworden.

Biopic: GB 2013, 113 min., von Oliver Hirschbiegel, mit Naomi Watts, Naveen Andrews, Douglas Hodge, Geraldine James

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