Ausflugstipp

Von der Bach-Kirche zu den McNair-Barracks in Lichterfelde

Sie war die letzte West-Berliner Kirche, die vor dem Fall der Mauer gebaut und geweiht wurde: die Johann-Sebastian-Bach-Kirche der gleichnamigen Gemeinde in Lichterfelde.

Die achteckige Ziegelsteinkirche mit Zeltdach und gläserner Laterne an der Luzerner Straße aus dem Jahr 1981 ist Ausgangspunkt für unseren Ausflugs-Tipp: Ein Spaziergang durch Lichterfelde.

1970 aus der Lichterfelder Johannes-Gemeinde ausgegliedert, gründete daraufhin die Johann-Sebastian-Bach-Kirchengemeinde einen Kirchenbauverein mit dem Ziel, ein größeres Gotteshaus für Gottesdienste zu errichten. Bis dahin war man erst in einer Gartenlaube der Kolonie Abendruh zusammen gekommen, dann im Pfarrhaus und später im neu geweihten Gemeindezentrum, einem Holzbau.

Ein Baustopp für West-Berliner Kirchenanlagen verhinderte zunächst die Errichtung. Den Plan der Gemeinde, eine Holzkirche aus eigenen Mitteln zu errichten, verwarf das Berliner Konsistorium. So wurde 1980 dann der Grundstein für einen vom Konsistorium genehmigten und von der Gemeinde eigenfinanzierten Massivbau gelegt: Im November 1981 konnte Bischof Martin Kruse die rund 750.000 D-Mark teure Johann-Sebastian-Bach-Kirche einweihen.

Schräg gegenüber, hinter dem Thuner Platz, liegt der Parkfriedhof Lichterfelde . Ein Besuch auf dem zwischen 1908 und 1911 nach Plänen des Gartenarchitekten Friedrich Bauer angelegten Areals lohnt: Hinter der Mauer verbergen sich eine Friedhofskapelle mit Turm und dreibogiger Vorhalle, ein sechssäuliger Brunnentempel und interessante, teils stark verwitterte Grabsteine, die an prominente verstorbene Lichterfelder aus zwei Jahrhunderten erinnern. Darunter ist Bischof Otto Dibelius (1880-1967), Historiker Sebastian Haffner (1907-1999) und Musiker Drafi Deutscher (1946-2006).

Wir spazieren den Osteweg entlang, nehmen den ersten Weg rechts in die 1928/29 gegründete Kolonie Schweizerland und gleich den nächsten Pfad links, vorbei an typischen Berliner Kleingartenidyllen.

Es geht zum Kolonie-Vereinsheim mit Restaurant, wo deftige Hausmannskost serviert wird. An den Adventssonntagen stehen natürlich saisonal passende Gerichte wie Gänsebrust mit Grünkohl und Klößen auf dem Speiseplan.

Der nächste Pfad links, der Freiburger Weg, führt aus der Kolonie auf den Platz des 4. Juli, benannt nach einem der höchsten Feiertage der USA, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag. Hier steht das zweitgrößte Industriedenkmal Berlins, die ehemaligen Fabrikriegel der Telefunkenwerke . Sie wurden nach Plänen des Industrie-Architekten Hans Hertlein 1937 bis 1939 errichtet.

Nach dem II. Weltkrieg waren die McNair-Barracks bis zum Truppenabzug der alliierten Streitkräfte 1994 eine Kaserne der US Armee für etwa 3000 Soldaten. Auf dem zwölf Hektar großen Areal befinden sich heute eine Privatschule, eine Kindertagesstätte, ein Fitness-Studio, verschiedene Geschäfte und zu modernen Lofts und exklusiven Penthäusern umgestaltete Eigentumswohnungen.

Das McNair-Museum an der Billy-Wilder-Promenade existiert dort nicht mehr, das heruntergekommene Gebäude, eine Baracke mit Flachdach, vergitterten Fenstern und Türen, ist verwaist. Dafür erstrahlt die frühere amerikanische Kapelle der US-Soldaten, Baujahr 1947, daneben in frischem Weiß: Sie wird seit 2006 von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Lichterfelde genutzt.

Auf dem Platz des 4. Juli, einst Parade-Platz der US-Truppen, üben inzwischen Fahrschüler. Sonntags begegnen sich dort Besucher aus ganz Berlin zwischen auf dem beliebten Antik- und Trödelmarkt.