Kulturmacher

Der Witzbegierige

Humor ist für ihn Kulturgut: Thomas Hermanns hat den Quatsch Comedy Club gegründet. Nebenher entwickelt er neue Showkonzepte, schreibt Bücher und Musicals

Rheinländer, so sagt man, sind Frohnaturen. Das bleiben sie auch fernab der Heimat. Thomas Hermanns ist da keine Ausnahme. Geboren in Bochum, zog er als Sechsjähriger mit den Eltern und seiner Schwester nach Nürnberg, wo die Mutter in der örtlichen Rheinländergruppe alljährlich zum Karneval Büttenreden hielt. „Ich habe schon als Kind gelernt, dass Lachen etwas Positives ist. In meiner Familie hat es kulturellen Wert“, erinnert sich der 50-Jährige. Er war zwar nicht im Karnevalsverein aktiv. Dafür aber tanzte er Turniere – „ich war ein Ballroomboy“ –, und spielte auf dem Schulhof Sketche des bayerischen Komikers Fredl Fesl und von Otto Waalkes nach. „Damals hatte man die ja nur auf Schallplatte, es gab noch lange kein YouTube.“

Auf dem Internetportal ist Hermanns – neben Fesl und Waalkes – mit zahlreichen Clips vertreten. Denn seit langem verdient er mit Witz, Charme und dem Lachen seiner Zuschauer sein Geld. Hermanns hat 1992 den Quatsch Comedy Club gegründet. Begonnen hat er das Unternehmen gemeinsam mit Renate Berger unter dem Dach der Serious Fun GmbH in Hamburg. Mit zu den ersten Künstlern auf der Bühne gehörten Wigald Boning und Olli Dittrich, Rüdiger Hoffmann und Rainald Grebe, Michael Mittermeier und ab 1994 auch Gayle Tufts. 2002 zog Hermanns samt Club nach Berlin an die Friedrichstraße in Mitte. Zeitweise kommen Spielstätten in Düsseldorf, Zürich und Hongkong dazu.

Früh wurde das Fernsehen auf den 1,89-Meter-Mann aufmerksam. Jahrelang sendete ProSieben wöchentlich Hermanns Comedy Show. Inzwischen moderiert er nur noch große Ereignisse, zuletzt die Gala zum 20-jährigen Jubiläum des Hauses, am 11. Januar 2014 folgt „Die große Quatsch Comedy Show“. Moderator ist eine Bezeichnung, die auf Herrmanns nur teilweise zutrifft. Der studierte Theaterwissenschaftler sieht sich als „Show-Erfinder“: „Ich denke mir alles aus. Den Humor, die Musik, führe Regie, produziere, schreibe.“

„Kein Pardon“ auf Tournee

Urlaub macht der Yoga-Fan schon. Im Januar fliegt er für ein paar Wochen nach Mexiko. Dort aber nimmt er sich nicht frei. Statt dessen denkt sich Hermanns neue Shows aus. Erfolgreich gelaufen ist bereits das Musical „Kein Pardon“, von dem es innerhalb von 14 Monaten 400 Vorstellungen gab. Dazu schreibt Hermanns nun eine Tourneeversion. Zeitgleich arbeitet er an einem Stück über seine Studentenzeit im München der 80er-Jahre und an einer Komödie. Außerdem sitzt er an einem neuen Buch: Auf einen Krimi und eine Dokumentation der Geschichte des Quatsch Comedy Clubs folgt ein Roman. „Ich wechsele gerne die Genres“, sagt Hermanns.

In München hatte er schon als Student erste Shows produziert, „ohne jede finanzielle Unterstützung von außen“, sagt Hermanns. Er sei einfach zu ungeduldig gewesen, Anträge zu schreiben und Antworten abzuwarten. „Da mache ich lieber alles selbst und achte aufs Geld“, sagt er. Auch der Quatsch Comedy Club trägt sich selbst, und zwar so gut, dass Hermanns, angesprochen auf die Zahl seiner Mitarbeiter antwortet: „Zu unseren Betriebsausflügen kommen immer rund 35 Mitarbeiter.“

Comedy ist seiner Meinung nach nichts, wofür man Steuergeld einsetzen sollte. „Live-Entertainment finanziert sich selbst.“ Aber er plädiert dafür, schwierige Darstellungsformen, in denen komplexere Themen behandelt werden, öffentlich zu fördern. „Sie finden kaum ein Massenpublikum, sind aber kulturell wertvoll.“ Die Shows im Quatsch Comedy Club seien mindestens zu 70 Prozent besucht, sagt Hermanns. 60 von 100 Zuschauern seien Berliner, die übrigen seien Touristen. Pro Abend treten mehrere Comedians auf, eingeführt von einem Moderator. Jahrelang hat Hermanns selbst den Job gemacht, jetzt wechseln sich dem Haus verbundenen Künstler wöchentlich ab.

Er schwärmt von Eddie Izzard

Eine goldene Regel ist geblieben: „Immer eine gute Nummer auf der Finalposition der ersten und zweiten Hälfte.“ Sprich: Vor Pause und Heimweg sollten die Zuschauer unbedingt etwas zu lachen haben. Dann empfehlen sie das Haus weiter und kommen selbst wieder. Neu sind die Auftritte englischsprachiger Comedians. Hermanns schwärmt von Eddie Izzard. „Er erweitert Comedy ins Philosophische, hebt hervor, was uns alle vereint. Das wird auch für deutsche Comedians wichtig werden.“

Den Club kann man mieten. Die Räume gehören zum Friedrichstadt-Palast. Mit dem Haus wie auch mit Distel und Chamäleon, Admiralspalast und Jüdischem Theater vermarktet man sich als Berliner East End. „Wir haben in Mitte die größte Theaterdichte Deutschlands, wir sind der deutsche Broadway“, sagt Hermanns. Ein Preis wurde bereits ausgelobt, geplant sind ein Theaterball und ein Ticketkiosk wie auf dem Times Square. Da das Hermanns noch nicht auslastet, engagiert sich er sich in der 2013 gegründeten Deutschen Musical Akademie. „Ich hoffe, dass in Deutschland langsam die Trennung zwischen ernster und Unterhaltungskultur überwunden wird. Berlin kann Vorreiter sein, weil wir eine breit gefächerte Kulturlandschaft haben“, sagt Hermanns. Überhaupt fühle er sich „in der richtigen Stadt“, in die immer wieder Menschen nachkämen, die kulturell etwas auf die Beine stellen wollten. „Diese unternehmerische Energie braucht die Stadt auch. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Behörden etwas flexibler sein könnten.“

Dem Theater gilt seine Leidenschaft seit dem Studium, für das er sogar mit dem Turniertanz aufhörte. In Berlin lassen er und sein Partner Wolfgang Macht kaum eine Vorstellung aus, besuchen Grips Theater und HAU, Schaubühne oder Tipi. Trotzdem bleibt noch Zeit, sich für Homosexuelle zu engagieren: früher für einen gewaltfreien CSD in Polen, derzeit für die gay, lesbian und bisexuelle Sektion von Human Rights Watch. Hermanns gibt Geld und Zeit, er moderiert Spenden-Dinners. Anders gesagt: Er macht Lobbyarbeit mit einem Lächeln.