Bühnencheck

Familie am Abgrund

Ein Familienessen steht an. Gefeiert wird die Beförderung des Vaters. Mit Muscheln, seinem Lieblingsessen. Doch der Ehrengast lässt alle warten. Eine Qual für Mutter, Tochter und Sohn. Um dem Vater und seinen Ansprüchen gerecht zu werden, haben sich die Drei verstellt: Der Sohn trägt Kleid, die Tochter Anzug, die Mutter malt sich die Lippen an, obwohl ihr gar nicht danach ist. Und sie haben Affenmasken aufgesetzt.

Für einen Auszug ihrer Erzählung „Das Muschelessen“ bekam die damals noch unveröffentlichte Autorin Birgit Vanderbeke 1990 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Nun ist die Bühnenfassung von Lars Vogel zu erleben. Die gelungene, atmosphärisch dichte Inszenierung von Bettina Rehm macht es dem Zuschauer anfangs nicht leicht, wird aber immer packender.

Schockstarr hocken Mutter (Eva Mannschott), Tochter (Julia Sontag) und Sohn (Florian Rast) auf ihren Hockern. Obwohl abwesend, ist der gestrenge Vater und rücksichtslose Ehemann omnipräsent. Mit zunehmender, unverblümter Kritik am autoritären Familienoberhaupt kommt Bewegung in das Trio. Insgesamt eine beeindruckende, herrlich schwarzhumorige und nie gefühlsselige Demontage eines vorgeblichen Familienidylls.

Vaganten Bühne Kantstraße 12a, Charlottenburg, Tel. 312 45 29, Vorstellungen: 19. & 20. November, 13. & 14., 17. & 18. Dezember sowie 23.–25. Januar, 20 Uhr, Karten kosten 14–20 Euro, erm. 7–10 Euro