Berliner Perlen

Hüterin des Reinheitsgebots

In die Pralinen und Nougattaler der Chocolaterie Catherine kommen bei Kathrin Weimar weder Konservierungsstoffe noch andere Chemie. Wer sich überzeugen will, darf in die Küche schauen

Es gibt Fragen, um die kommt mancher schlicht nicht herum. „Können Sie überhaupt noch Schokolade essen?“, ist so eine Frage an Kathrin Weimar. Ungezählte Male hat die Köpenickerin das schon gehört, aber ihr Tonfall kann auch beim ersten Beantworten kaum entschiedener geklungen haben: „Na klar, meine eigene Schokolade esse ich!“ Schon allein deshalb, weil jedes neue Produkt, das in der Chocolaterie Catherine über den Verkaufstresen geht, zuvor den Geschmackstest bestehen muss.

Ohnehin wird, was sie im Schokoladengeschäft an der Grünstraße verkauft, in der offenen Küche hinter Verkaufsraum und Café selbst entwickelt. Natürlich sind die Klassiker darunter: Trüffel und Pralinen in alkoholischen und nichtalkoholischen Varianten, mit Calvados, Whisky oder Mandellikör, mit Krokant oder Himbeer-Sahne. Auch die Klassiker Marzipan und Mandelsplitter, Pistazien und Mokka kommen bei ihr in die Schokolade.

Manches birgt Überraschungen wie die scharfe Orangenfüllung zum Beispiel. Was die edlen Süßigkeiten von Kathrin Weimar und ihrer Tochter Jessica Helm aber zu etwas Besonderem macht, ist der vollständige Verzicht auf alles, was Weimar mit angriffslustigem Blick unter dem Begriff „Chemie“ zusammenfasst. „Alles bei uns wird frisch zubereitet. Weil wir auf Konservierungsstoffe verzichten, hält es sich dafür aber auch nicht so lange wie Industriepralinen“, sagt die 50-Jährige ganz ohne Bedauern.

Experimente gewagt

Ihren Kunden gibt Kathrin Weimar daher stets wohlweislich den Hinweis mit auf den Weg, dass die kleinen Kunstwerke der Chocolaterie nach drei bis vier Wochen verzehrt sein sollten. Frische Butter oder Sahne halten sich nun einmal nicht unbegrenzt. „Es kam aber auch einmal eine Dame, die hatte Pralinen von uns verschenkt. Die Beschenkte hatte das dann aber erst viel, viel später probiert. Da war der Schreck groß“, sagt Kathrin Weimar.

Auf ihr eigenes Reinheitsgebot will sie trotzdem nicht verzichten. Ebenso wenig wie auf den Roh-Kakao einer bekannten Firma aus dem Rhonetal, die laut eigenem Bekenntnis auch auf faire Anbau- und Abnahmekonditionen bedacht ist. Feine Füllung und originelle Ummantelung hin oder her: „Im Vordergrund steht bei mir immer die Schokolade“, sagt Kathrin Weimar. „Die muss ich als erstes schmecken. Der zweite Geschmack kommt erst im Abgang dazu.“

Professionell gelernt hat Weimar, studierte Betriebswirtin und früher im Finanzbereich beschäftigt, das alles erst vor wenigen Jahren in einer späten Wandlung zur Chocolatière. Ein „Genussmensch“ sei sie schon immer gewesen, sagt sie. Als nach dem Fall der Mauer durch die Verfügbarkeit guter Zutaten Versuche mit selbst kreierten süßen Leckereien möglich wurden, fing Weimar an, in der eigenen Küche herumzuprobieren. „Ich wollte mal gucken, was man mit Schokolade alles machen kann.“ Freunde, die ihre Pralinen geschenkt bekamen, waren begeistert. Als an der Grünstraße ein schmaler Laden leer stand, griffen sie und ihre Tochter Jessica Helm zu. Als gelernte Mediengestalterin ist diese unter anderem für das Design bunter Nougattaler, verzierter Schokoladen oder auch der weihnachtlichen Süßigkeiten zuständig, etwa der 24 alkoholfreien, haltbaren und bebilderten Pralinen in einer hübschen Holzkiste. Logos von Geschäften, die süße Werbemittel in der Chocolaterie bestellen, werden auf Zuckerfolie gedruckt und auf die Schokolade gelegt.

Individuelles auf Bestellung anzufertigen, war für Weimar von Beginn an eine Nische, die sie gern besetzte. So bestellten die Betreiber eines Lichtenberger Solariums etwas Passendes und bekamen Pralinen mit Persiensalz.

Total lokal sind Leckerbissen mit Reminiszenz an die Historie Köpenicks. Ihre Hauptmann-Taler hat sich Weimar schützen lassen. Ebenso wie die Wappen-Taler fanden sie im Gepäck des Bezirksbürgermeisters schon den Weg in manche Partnerstadt Köpenicks. „Früher“, sagt Weimar schmunzelnd, „hätte man Hoflieferant zu uns gesagt.“ Ihre Zille-Pille entstand in Zusammenarbeit mit dem kleinsten Stubentheater Berlins, ebenfalls aus der Grünstraße. Im Regal hinter dem Verkaufstresen steht ein Buch ganz aus Schokolade, in dem in schnörkeliger Zuckerschrift der Gründungsmythos von Köpenick erzählt wird.

Einkauf mit der Kühltasche

Touristen gehören zu ihren Kunden und auch unter Köpenickern hat die gebürtige Friedrichshagenerin ihrer Fans. Der „Kalte Hund“, der im Café gelegentlich zu Kaffeehausmusik am Klavier serviert wird, ist meist als erstes weg. Vor allem aber steigt die Nachfrage nach Weihnachtsspezialitäten. Wie bei der alten Dame, die gerade Adventskalender und hölzerne Pralinenkisten nach eigener Zusammenstellung zum Verschenken bestellt. Wie gut, dass Weihnachten im Winter liegt. „Im Sommer“, sagt Weimar, „kommen die Kunden auch. Aber dann bringen sie vorsorglich lieber ihre Kühltaschen mit.“

Chocolaterie Catherine Grünstraße 17, Köpenick, Tel. 68 32 76 28, Mo. 13-18 Uhr, Di.–Fr. 10–18 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr