Ausflugs-Tipp

Weddings grünes Hinterland entlang der Panke

Seit dem Tod von Entertainer Harald Juhnke vor fast zehn Jahren sind Wedding und Gesundbrunnen, die heutigen Ortsteile des Bezirks Mitte, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung in der Versenkung verschwunden.

Juhnke, Jahrgang 1929, wuchs in einer typischen Weddinger Mietskaserne auf, war stolz darauf und ließ das jedermann wissen. Viele berufsbedingt optimistischen Bezirkspolitiker haben zwar schon vor Jahren dem einstigen Arbeiterbezirk eine blühende Zukunft vorausgesagt, davon hört und sieht man aber nicht all zu viel. Das von großen Magistralen durchzogene Wohnquartier ist nicht populärer als zuvor und eher unbeachtet am Rande der Szeneviertel Mitte und Prenzlauer Berg.

Doch hinter den dicht an dicht gedrängten Mietshäusern gibt es auch unerwartete Natur. Etwa entlang des Grünzuges der Panke, die dort in Mitte durch Wedding/Gesundbrunnen fließt. Der Spaziergang am erstaunlich klaren Fluss beginnt am S-Bahnhof Wedding. Über den Nettelbeckplatz an der Fennstraße geht es über die Reinickendorfer- zur Pankstraße, wo wir nach wenigen Metern den Uferweg mit großen Bäumen und sehenswerten Bauten erreichen, etwa am Brunnenplatz, zu dem wir über die Martin-Opitz-Straße gelangen. Der Platz ist nach dem Luisenbrunnen benannt, der 1701 entdeckt und um 1760 zu einer Heilquelle mit Kurbetrieb ausgebaut wurde. In den 1880er-Jahren versiegte er.

Seit 1906 steht dort das imposante Gebäude des Weddinger Amtsgerichts. Der mehrflügelige, fünfgeschossige Bau wurde nach Plänen von Rudolf Mönnich und Paul Thoemer im Stil der Neogotik erbaut. Als Vorbild soll die Albrechtsburg in Meißen gedient haben. Die Straßenfront der Hauptflügel hat eine Länge von etwa 120 Metern. Am Gebäude vorbei geht es linksherum zurück zur Panke entlang am Klinkergebäude-Komplex der BVG und der Ufer-Studios über die Badstraße.

Die Badstraßenbrücke über die Panke wird bereits 1702 erwähnt. Oberhalb der Brücke befand sich eine Walkmühle für die Ledergewinnung. An deren Stelle wurde 1844 ein beeindruckendes Haus erbaut. Gegenüber liegt das ehemalige Heilbad, das Luisenbad. Heute befindet sich darin die 1995 eröffnete Bibliothek. Weiter die Panke entlang erreicht man nach wenigen Minuten das Wasserdepot Franzosenbecken und kann auf dem Weg das Weddinger Hinterland mit Kleingartenanlagen und grünen Höfen im Vorübergehen betrachten. An der Nordbahnstraße rechtsherum gelangt man schließlich zum S-Bahnhof Wollankstraße.