Bühnencheck

Im Salon mit Pigor & Eichhorn

Der schwarze Schattenriss vor blutrotem Hintergrund ist ein Hingucker. Das markante Profil des genialen Sängers und Oberzynikers Thomas Pigor ist klar erkennbar. Das seines überragenden Begleiters am Flügel, Benedikt Eichhorn, liegt noch im Schatten. Mehr Lichteffekt in einem Chansonprogramm geht nicht! Warm anziehen beim folgenden verbaltoxischen Songhammer müssen sich Damen, die ihren Männern sperrige Taschen in die Hand drücken. „Erniedrigend“ gellt es gepeinigt von der Bühne.

So mögen Pigor & Eichhorn ihre Songs: Unterhaltend und intelligent, aber nicht zu „brainy“, zu intellektuell. Das wäre ja Kassengift. Wie schon im vorangegangenen Programm demonstriert das beste deutschsprachige Kabarett-Chanson-Duo auch im neusten Werk „Volumen 8“ erstaunliche Einigkeit. Vom einstigen Unterjochungsmotto „Pigor singt & Benedikt Eichhorn muss begleiten“ ist bei der umjubelten Premiere in der Bar jeder Vernunft nicht mehr viel zu spüren.

Es gibt noch kleine Scharmützel, aber auch viel Harmonie. Etwa beim Thema Salon-HipHop. Zwecks Begriffsdefinition haben die beiden eine Salonwerkstatt eingerichtet und zelebrieren Drei-Minuten-Vorträge über abseitige Themen wie doppelte Buchführung oder Esperanto-Grammatik. Doch keine Bange, neben der süffisanten Veralberung der Salon-Idee beweisen sie natürlich auch, dass sie immer noch die „Grumpy Old Men“ des neuen deutschen Chansons sind. Die Songs sprühen vor Gift und Galle. Und Wutsänger Pigor entlarvt mit seiner brillanten Performance die peinlichen Macken von Gutbürgern.

Mit „Volumen 8“ haben Pigor & Eichhorn ihre komplizierte Zweierkiste und das Chanson wieder einmal neu erfunden. Ganz nebenher beweisen sie, dass sie jeden Musikstil beherrschen. Nicht nur Salon-HipHop.

Bar jeder Vernunft Schaperstr. 24, Wilmersdorf, Tel. 883 15 82, Vorstellungen bis 10. 11., Di.–Sbd., 20 Uhr, So. 19 Uhr, Karten kosten 21,50–29,50 Euro, erm. 12,50 Euro