Bühnencheck

Richling sucht den Superpolitiker

Laut Mathias Richling ist die Bundestagswahl nur noch ein Testlauf für die TV-Prognosen danach. Das steigere wenigstens den Unterhaltungswert der Nachrichten.

Aber was könne man schon erwarten von den Politikern heutzutage, die doch allesamt weichgespültes Mittelmaß seien? Oder gibt es doch noch Hoffnung?

Der so scharfzüngige wie kluge schwäbische Kabarettstar wagt in seinem neuen Programm „Deutschland to go“, das jüngst in den Wühlmäusen Premiere feierte, einen besonderen Feldversuch: Ganz trendy, sucht er in einem Casting den Superpolitiker. Dazu begibt er sich auf eine Reise quer durch die Republik und bringt mit vorzüglichen Parodien die gesamte deutsche Polit-Prominenz auf die Bühne.

Man mag es kaum glauben, dass Richling mittlerweile 60 Jahre alt ist, so quirlig und rasant, ja, fast im Minuten-Wechsel, treffen da bei ihm unter anderem Angela Merkel, Peer Steinbrück, Gregor Gysi und Cem Özdemir aufeinander. So unterschiedlich ihre Parteibücher sein mögen, ihre inhaltslosen, floskelhaften Statements haben offensichtlich den gleichen Ghostwriter. Gewitzt entlarvt Richling die unheilvolle Allianz aus Ahnungslosigkeit und Ignoranz, verpackt in unterschwellige Agitation.

Es ist schon hochkomisch, wie der Querdenker böse Wahrheiten über Steuerhinterziehungen und -verschwendungen, Wahlversprechen, Korruption, Betreuungsgeld und prunksüchtige Bischöfe ausplaudert, und dabei gleichzeitig mit seinen punktgenauen Parodien die Politiker karikiert. Natürlich erreicht keiner von ihnen das Klassenziel. Eine Castingshow ohne Gewinner also. Und das Publikum amüsiert sich blendend. Richling beweist damit einmal mehr, dass er zu den Großen des Kabaretts gehört. Am Ende: Standing Ovations.

Wühlmäuse Pommernallee 2-4, Westend, Tel. 30 67 30 11, 22.–26.10., 29.10.–2.11., 5.–9.11., 20 Uhr, Karten kosten 21,50–29,50 Euro