Komödie

Dreh die Zeit zurück

Eine seltene Gabe macht alte Fehler ungeschehen. Aber nicht nur die: „Alles eine Frage der Zeit“

Das Kino ist eine Traummaschine, auf der Leinwand erleben wir oft Dinge, die im wahren Leben unwahrscheinlich oder gar unmöglich sind. Im Idealfall lernen wir in ein paar Stunden etwas über uns selbst und sind am Ende ein bisschen klüger. Und vielleicht sogar glücklicher. „Alles eine Frage der Zeit“ ist ein solcher Film. Darin entdeckt der 21-jährige Tim (Domhnall Gleeson), dass er in der Zeit reisen kann, allerdings nur in die eigene Vergangenheit. Ein Talent, das er von seinem Vater (Bill Nighy) vererbt bekam.

Alles, was er dazu tun muss, ist in einem Schrank oder dunklen Raum die Augen zu schließen und die Fäuste zu ballen, schon kann er an jeden Moment seines Lebens zurück. Nur kurz stutzig, nutzt Tim die neu entdeckte Fähigkeit bald ausgiebig, vor allem um Flirtversuche, die er durch seine Schüchternheit verpatzt hat, beim zweiten oder dritten Anlauf doch noch zum Erfolg zu führen. Doch die Methode, die Zeit zurückzudrehen und damit das eigene Handeln zu wiederholen, hat seine Tücken. Denn jede kleine Änderung hat Konsequenzen in der Zukunft.

Als er sich, inzwischen Junganwalt in London, in die bezaubernde Mary verliebt, verliert er just ihre Telefonnummer. Und so dreht er mehrfach die Zeit zurück, um ihr wieder zu begegnen und den neuen Freund zu verhindern, den sie an seiner Statt gefunden hat. Eine ganze Weile geht Tims Zeitreiserei gut, er optimiert nicht nur sein Liebesleben, sondern auch seine Karriere und umgeht nebenbei das ein oder andere peinliche Fettnäpfchen.

Mary und Tim heiraten und haben ein Baby, alles läuft prima. Seine jüngere Schwester Kit Kat dagegen kommt nie so richtig auf die Beine, kommt von ihrem missratenen Freund nicht los und verursacht angetrunken einen schweren Autounfall. Als Tim ihr verkorkstes Leben noch mal von Grund auf ändern will und dafür weit in die Vergangenheit reist, muss er bei seiner Rückkehr feststellen, dass ein ganz anderes Kind geboren wurde. Und auch Krankheiten und andere Schicksalsschläge lassen sich nicht so einfach verhindern, ohne dadurch die Gegenwart zu beeinflussen.

Regisseur Richard Curtis hat bereits als Drehbuchautor von Komödienhits wie „Notting Hill“ und „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ sein Faible für Wohlfühlfilme voll kauziger Charaktere mit Lebensweisheiten wie aus dem Sprichwortkalender bewiesen. Hier überhöht er sein Konzept zum magischen Realismus, der doch vor allem eines zeigen soll: wenn man sich von den kleinen und größeren Nöten des Alltags nicht blind machen lässt, erkennt man, wie fantastisch und einzigartig das Leben doch ist, wenn man es nur bewusst führt. Curtis’ Botschaft ist nicht ohne Kitsch, aber anrührend und mit gutmütigem Humor erzählt. Und manchmal braucht es eben einen solchen Film, der einen wieder daran erinnert, das Leben ein bisschen mehr zu genießen. Man hat schließlich nur das eine.

Komödie GB 2013, 123 min., von Richard Curtis, mit Domnhall Gleeson, Rachel McAdams, Bill Nighy, Lindsay Duncan

+++--