Arnos Woche

„Ich schick Dir mal was“

Arno Müller über „Phubbing“ und schlechte Manieren am Smartphone

Für die jüngeren Leser muss ich heute etwas ausholen. Es gab eine Zeit, als Ihr noch ganz klein wart, da saßen Menschen zusammen und haben sich Geschichten und Witze erzählt. Einer fing mit seiner Geschichte an, über ein Stichwort fiel dem nächsten eine neue Geschichte ein und so weiter. Man berichtete über seine Erlebnisse, über Reisen, über Bücher, die man gelesen hatte, über Fernsehsendungen oder Filme, die man gesehen hatte. Ich liebte solche Abende.

Es gab damals zwar schon Handys zum Telefonieren und Nachrichtenverschicken, aber keine internetfähigen Smartphones, mit denen man immer und überall online war. Ich erinnere mich besonders dann an diese Zeit zurück, wenn ich mal wieder in einer Runde sitze, in der jeder ständig sein Handy in den Händen hält, um die neusten Mails und Nachrichten zu checken. Diese Menschen schauen oft in ihre Telefone, fangen laut an zu lachen und anstatt den Grund der Freude nun allen am Tisch mitzuteilen, damit diese mitlachen können, kommt meist der Spruch: „Ich schick dir mal was“.

Ich befürchte, dass wir es irgendwann verlernt haben werden, uns ohne technische Hilfsmittel Spannendes oder Lustiges zu erzählen. Mittlerweile gibt es sogar ein Wort für dieses Verhalten: Phubbing. Ein Kunstwort, das sich aus „Phone“ und „snubbing“ zusammensetzt und das auf Deutsch „vor den Kopf stoßen“ heißt.

Die sogenannten Phubber werden in letzter Zeit immer mehr an den Pranger gestellt. Es gibt weltweit Initiativen und Internetseiten gegen Phubber. Einige Fälle haben es sogar in die Medien geschafft, wie die Supermarktkassiererin, die sich weigerte, eine Kundin abzukassieren, während diese telefonierte. Oder die Sängerin Beyoncé, die bei einem Konzert in Atlanta einem Fan das Mikrofon hinhielt. Der konnte aber nicht mitsingen, weil er zu sehr mit seiner Handy-Kamera beschäftigt war, Wütend outete sie ihn vor allen Konzertbesuchern: „Ich stehe direkt vor dir Baby, du musst den Moment nutzen!“

Ich habe schon vor längerem damit begonnen, mein Handy abends zu Hause zu lassen oder es einfach auszuschalten. Ich brauche es nicht, denn ich vertraue darauf, dass meine Freunde mir doch noch etwas zu erzählen haben. Vielleicht versuchen Sie es auch einmal.

Arno Müller ist Programmdirektor von 104.6 RTL und Moderator von „Arno und die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von 5 bis 10 Uhr)