Arnos Woche

Kein Italiener

Arno Müller über die Restaurant-Situation am Scharmützelsee

Meine Familie und ich verbringen unsere Wochenenden oft am Scharmützelsee in Bad Saarow oder am anderen Ende des Sees in Wendisch-Rietz. Leider gab es hier lange Jahre nicht ein einziges italienisches Restaurant. Im Februar diesen Jahres änderte sich das: Die Besitzer vom „Schilfhaus“ setzten sich zur Ruhe und übergaben ihr Lokal an Antonello, einen Italiener aus Berlin.

Wir freuten uns, denn nun bekamen wir frische Pasta, echte italienische Pizza, Carpaccio vom Fisch oder Fleisch und all die anderen leckeren südländischen Gerichte, die es in Berlin an jeder Straßenecke gibt. Natürlich ist ein Neuanfang nicht ganz so leicht. Aber wie schwer es Antonello haben würde, damit hat keiner gerechnet – zum Beispiel, um Personal zu finden. Nach einer aufwendigen, aber erfolglosen Suche musste er sogar einen Koch aus Italien kommen lassen.

Auch die Gäste machen es ihm schwer. Im ehemaligen „Schilfhaus“ gab es mehr als 20 Jahre lang regionale Küche. Also Wiener Schnitzel, Gans oder auch eine Boulette mit Kartoffelsalat. Solche Gerichte gibt es zwar auch in fast allen anderen Gaststätten rund um den Scharmützelsee, aber den Stammgästen fehlt diese Speisekarte offensichtlich trotzdem. Während des Sommers, als viele Touristen Antonello besuchten, fiel das nicht weiter auf. Doch jetzt im Herbst bleiben die Tische leer.

In der letzten Woche war ich zweimal bei Antonello. Es tat mir Leid, sehen zu müssen, dass er fast alleine in seinem Restaurant saß. Ich befürchte, dass er das so nicht lange durchhalten kann. Das wäre sehr schade! Nach meiner Lebenseinstellung ist das Glas immer halbvoll und nicht halbleer. Wir sollten dem Neuen eine Chance und Zeit zum Wachsen geben. Nur dann können sich tolle Dinge entwickeln. Wenn Antonello aufgibt, wäre diese Region die wahrscheinlich einzige der Welt, in der es keinen Italiener gibt. Das wäre doch sehr traurig.