Horrmanns Gourmetspitzen

Klingt asiatisch, ist es auch

Heinz Horrmann besucht das Restaurant Pan Asia von Roland Mary am Hackeschen Markt

Das war so nicht zu erwarten. Nach diesem Restaurant-Test hatte ich plötzlich einen neuen Lieblings-Salat: Marinierter Chinakohl mit Chili, Koriander und Limettensaft. Klingt asiatisch, war es auch. Ich habe nach etlichen Jahren das Pan Asia an der Rosenthaler Straße besucht, weil mir ein neuer Küchenchef und eine neue Crew am Herd signalisiert worden waren.

Es hat sich gelohnt. Nach den inzwischen überholten schlechten Erfahrungen mit total verkorksten Gerichten, was ich damals auch so berichtet hatte, kann ich dieses Restaurant nun aus ehrlicher Überzeugung empfehlen. Und der Salat war wahrlich nicht die einzige Offenbarung. Der Sushi-Meister beispielsweise arbeitete erstklassig. Die Produkte waren ganz frisch, was für Sashimi extrem wichtig ist. Die Tempura-Portion von Wildwassergarnelen war riesig, durchaus eine Vorspeise für zwei Personen, geschmacklich sehr gut, aber, und das ist die einzige Kritik, der angenehm dünne Tempura Mantel sollte kräftiger (in Erdnussöl) ausgebacken sein. Er war mir zu blass. Ansonsten dominierte der Jubel. Beispielsweise bei den Vorspeise-Variationen, ein Querschnitt durch das Küchenprogramm mit Chili-Beef-Salat, gebackenem Ingwer, Huhn mit Glasnudelsalat, Shrimps mit Chili und Erdnuss, auch vegetarische Wan Tan, um einiges von der Vielfalt aufzuführen. Und das alles für günstige 11,50 Euro pro Person.

Das minimalistisch eingerichtete Restaurant im Bereich der Hackeschen Höfe bot ebenso ganz vorzügliche Suppen für kleines Geld an, das Miso- Süppchen zum Beispiel, ,,das auf fettfreiem Geflügelfond basiert und mit Algen-Bonito-Flocken, Koriander, Tofu, Frühlingslauch und Buchweizennudeln frisch angesetzt wurde, oder die „Tom Kha Gai“, eine Thai- Kokossuppe mit mariniertem Huhn und Shiitake-Pilzen. Verkaufsrenner war und sind jedoch die Burger. Burger? In einem asiatischen Restaurant?

Ja, tatsächlich, ganz herausragende Pan Asia Burger, mit gegrilltem Thunfisch und Wasabi-Honig oder mit amerikanischem Prime Beef, Sesam-Chili Mayonnaise, Barbecue-Sauce, Pak Choi und all das auf Rosmarin-Brot. Besonders herzhaft war die Kombination von geschmortem Schwein, aromatisiert mit Teriyaki, dazu scharfe Gurken und Backpflaumen-Brot. Für Vegetarier gab es die Variation mit gebackenem Tofu und gegrillter Ananas. Der Küchenphilosophie entsprechend waren die wohltuend leichten „Specials“. So der leicht gebratene (innen noch rohe) Wildlachs, ebenfalls mit Wildkräutersalat und Kokosreis angerichtet – oder die marinierten, behutsam geschmorten Kalbsrippchen mit süßlich verfremdeten Chili und Jasmin-Reis. Alles mit Preisen unter 20 Euro. Teurer ist lediglich der herzhaft gewürzte und kräftig gebratene Alaska Black Cod (Kabeljau) mit Granatapfel-Fenchelrohkost und Thaispargel. Aber auch da waren angesichts des Wareneinsatzes 26,50 Euro ein günstiger Preis.

Klein, aber günstig kalkuliert

Die Dessertkarte war klein, aber ebenso besonders günstig kalkuliert. Das Zitronengras-Crème Brûlée, hier mit Rohrzucker gratiniert, war ein perfekter Abschluss. Die Sorbet-Variationen von Rosenblüten, grünem Tee und Mango beispielsweise waren mit 4,50 Euro für eine ordentliche Portion auch nicht teurer als in der Eisdiele. Es drängt sich die Frage auf: Darf man die Küche in besonders preiswerten Restaurants kritisieren oder ist mit deren günstiger Kalkulation allein schon jede Qualitätswertung ausgeschlossen? Der Restaurant-Tester darf, so urteilten weitaus die meisten unserer Leser, mehr noch, man erwarte geradezu eine kritische Beurteilung, ob der Fisch frisch und richtig gebraten und der Service gut geschult ist. Dieses Thema war für mich aktuell beim Besuch im Pan Asia. Und weil bis auf kleine Ausnahmen alles so richtig passte, ist das Restaurant für mich eine echte Empfehlung, die ich weitergeben kann.

Der japanische Meisterkoch Nobu Matsuhisa, gewiss einer der zur Zeit herausragenden Küchenstars weltweit, ist mit seiner Art, japanische und südamerikanische Elemente zu einem eigenwilligen Crossover zu verbinden, zu einer Leitfigur geworden. Ihm folgt die Pan Asia-Küche ein bisschen, vor allem mit den unterschiedlichen ostasiatischen Standardgerichten, die mit aromastarken Elementen anderer Länder jenseits von Sushi und Dim Sum verbunden sind. So findet der Gast, der das mag, auch etliche Rote Currys (ab 11,50 Euro). An diesem Konzept mit der freundlichen Ausführung bleibt wenig zu kritisieren, auch der Service arbeitet aufmerksam, liebenswert aber unaufdringlich.

Bei den Getränken dominierte eindeutig neben aromatisierten Teesorten der Gerstensaft. Bier vom Fass oder asiatische Sorten, die zumeist aus der Flasche getrunken wurden. Eine durchaus akzeptable Auswahl von Weinen, auch glasweise, ergänzte das Angebot. Ich wählte einen fair kalkulierten Chablis Premier Cru. Der kam perfekt gekühlt – und am Nebentisch wurde gleichzeitig der rote Burgunder fachgerecht über einer brennenden Kerze dekantiert. Kompliment für die Weinpflege. Bei einem köstlichen Glas blieb man dann noch länger gemütlich sitzen. Nach den Sitzecken im vorderen Bereich hatten sich inzwischen auch die US-Vorbildern gemäß eingerichteten langen Sitzbänke gefüllt. In Restaurants dieser Preiskategorie scheint die Krise vor der Tür zu bleiben. Zum Glück. Apropos vor der Tür. Da war, auch noch jetzt, für die letzten warmen Herbsttage, eine lauschige Gartenterrasse entstanden, die mit viel Grün und Blumenecken angenehm abgetrennte Sitzecken bot.

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonntag für die Berliner Morgenpost