Tragikomödie

Wenn Klischees sich neutralisieren

Komödie über zwei sehr ungleiche Schwestern, die es nach Kuba verschlägt: „Hasta la vista, Sister!“

Im echten Leben gibt es sie weit seltener als im Kino: die sprichwörtlich ungleichen Schwestern. Als geradezu böses Klischee präsentiert John Roberts sie am Anfang seines „Hasta La Vista, Sister!“. Die blonde, ungeschminkte Rosa (Eva Birthistle) agitiert da auf der Straße für eine bessere Welt, als ihre aufgetakelte Schwester Ailie (Charity Wakefiled) im flotten Kleinwagen vorbeirast und mit riskantem Verkehrsmanöver vor ihr einparkt. Die Ungleichheit ist mehr als deutlich markiert. Hier stehen sich Ernst und Oberflächlichkeit, Pedantentum und Lockersein gegenüber. Eigentlich erklärt sich der Rest des Films fast von selbst.

Dass es schließlich doch mehr an diesem Film zu finden gibt, liegt vor allem am Ort der Haupthandlung – Kuba. Dorthin brechen die schottischen Schwestern mit der Asche ihres frisch verstorbenen Vaters auf, um sie mit den Überresten ihrer schon vor Jahren dahingeschiedenen Mutter zusammenzubringen. Die Eltern haben sich einst auf Kuba kennengelernt, offenbar als junge, revolutionsbegeisterte Brigadehelfer. Ihre Tochter Rosa, in ihrer Weltanschauung den Idealen der Eltern verpflichtet, vermutet, dass dies ihre glücklichste Zeit war, und treibt das Aschevereinigungsprojekt trotz spärlicher Informationen voran. Ailie schließt sich eher widerwillig an. Ein weiterer Freund im Schottenrock kommt als Stichwortlieferant hinzu.

Was folgt, sind die üblichen heiter-ernsten Verwicklungen, an deren Ende die Enthüllung eines Familiengeheimnisses steht. Das zeitliche Setting des Films bleibt merkwürdig unklar – es wird suggeriert, dass Rosas und Ailies Eltern zu Beginn der kubanischen Revolution dabei wareen, da beide Töchter keine 30 sein sollen, versetzt das die Haupthandlung sehr vage in die 80er/90er Jahre. Das Kuba des Films erscheint dementsprechend entrückt: die realen wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes tauchen nur in Andeutungen auf.

Doch dann passiert etwas Wunderbares: Die Klischeeschwestern landen auf Klischeekuba und es kommt zu einer Art mathematischen Reduktion: die Klischees neutralisieren sich gegenseitig; der Film besinnt sich auf eine Reihe einfacher, nicht allzu aufgesetzter Geschichten. Rosa etwa findet sich von zwei Kubanern umworben, und obwohl der Zuschauer hier klar Gut von Böse unterscheiden kann, lässt der Film seine Heldin allen Ratschlägen zum Trotz ihre Erfahrungen machen. Und das, ohne Rosas politische Ambitionen (nach der Art: linke Revolutionsidealistin wird auf Kubas harte Realität gestoßen) zu demütigen. Ähnliches passiert mit ihrer Schwester: Statt dass der Film aus ihrem Status der dümmlichen Sexbombe Kapital schlägt, darf Ailie sich als die Klügere erweisen.

Als am Ende anstelle des ausgesprochenen Familiengeheimnisses nur ein kleiner verständnissinniger Blickwechsel steht, hat man als Zuschauer das gute Gefühl, dass hier alle etwas gelernt haben – zuletzt der Film das subtile Erzählen.

Tragikomödie GB/Kuba 2013, 99 min., von John Roberts, mit Eva Birthistle, Charity Wakefield

++---