Science-Fiction

Die Liebe steht Kopf

Romeo und Julia in einer Zukunftswelt mit zwei Schwerkräften: „Upside Down“

Manche Science-Fiction-Geschichten gleichen Gesellschaftsspielen: Bevor das Vergnügen beginnen kann, müssen erst mal ausführlich die Regeln erklärt werden. Die Stimme aus dem Off am Anfang von „Upside Down“ gleicht denn auch weniger der üblichen Einstimmung auf ein Erzähler-Ich als einer Gebrauchsanleitung. Von einer ungewöhnlichen Sternenkonstellation ist da die Rede, die in einem Sonnensystem zwei Planeten mit entgegengesetzter Schwerkraft vereint. Während die komplizierten physikalischen Erklärungen Stirnrunzeln bereiten, sorgt ein vertrauter Anblick für etwas Erleichterung: Aller hochelaborierten Astrophysik zum Trotz ist die Idee, auf die alles hinausläuft, die vom alten Gegensatz zwischen Arm und Reich und der Liebe, die die sozialen Grenzen überwindet.

Die zwei Planeten, die hier kopfüber aufeinander hängen, spiegeln also einmal mehr jene Anti-Utopie wieder, auf der gefühlte 80 Prozent aller Science-Fiction aufbauen, zuletzt der gerade gestartete „Elysium“. Auf der einen Seite gibt es die Welt „da unten“, die in kalten, blauen Farben, öden Industrie- und Wohngebäuden und Straßen voller Dreck und hungriger Kinder an Charles Dickens‘ frühindustrielles England erinnert. Und auf der anderen Seite ist da die Welt „da oben“, wo Menschen in Anzügen sich zum Lunch verabreden und in lärmgedämmten Büros sitzen wie in einer idealisierten City von heute.

Die Stimme des Ich-Erzählers gehört Jim Sturgess, der Adam spielt, einen verwaisten Jungen „unten“. Auf einem einsamen Spaziergang in den Höhen seines Planeten begegnet er Eden (Kirsten Dunst), die ihm sozusagen „oben“ entgegenkommt. Es ist wie bei Romeo und Julia: sie dürfen eigentlich nicht zueinander. Und als wären die üblichen gesellschaftlichen Hindernisse nicht genug, setzt ihnen Regisseur Juan Solanas in seinem „Upside Down“ eben noch die Schwerkraft in den Weg. Denn logisch nur schwer zu fassen: Die Schwerkraft ist hier den Menschen angeboren. Das heißt, auch als Adam in die Welt oben eindringt, muss er darauf achten, dass ihm die Krawatte nicht gen Himmel steht. Bewegen kann er sich dort nur mit Gewichten an den Schuhen und viel Gel im Haar.

So absurd diese Idee anmutet, verdanken sich ihr doch die amüsantesten Stellen im Film. Etwa wenn Adam beim Toilettengang in der Welt „oben“ eine Pfütze an der Decke verursacht. Oder wenn er auf der Flucht von „oben“ in einen Fluss springt, unter Wasser die Gewichte ablegt und es ihn prompt aus dem Wasser heraus- und in ein Meer „unten“ hineinkatapultiert. Wie überhaupt „Upside Down“ mit seinen visuellen Ideen zum Staunen bringt.

Eigentlich könnte alles so schön sein: endlich mal ein Science-Fiction, der weniger von Kriegstechniken her gedacht ist als von stilistischen Einfällen. Doch leider bleibt die Geschichte dabei allzu blutleer - entgegen der Mühe, die sich hier diverse Akteure wie Timothy Spall und Kirsten Dunst geben.

Science-Fiction USA 2013, 107 min., von Juan Diego Solanas, mit Kirsten Dunst, Jim Sturgess

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