Horrmanns Gourmetspitzen

Deftig, herzlich, gut

Heinz Horrmann besucht das Restaurant Wohlfahrt‘s im Indigo Hotel an der Hardenbergstraße in Charlottenburg

Speisen wir mal bürgerlich, gut bürgerlich in angenehmer Atmosphäre. Ich habe das Restaurant Wohlfahrt’s gewählt, weil es so einen wunderschönen sonnigen Garten hat. Stefan Wohlfahrt ist einer der Inhaber des Restaurants, der nichts mit Harald Wohlfahrt zu tun hat. Dem Koch, der seit Eckhart Witzigmann in Deutschland am längsten drei Michelin-Sterne verteidigt. Es ist auch wahrlich kein kreatives Zauberwerk, was den Gast hier erwartet, sondern eine grundsolide, aber perfekt gemachte Hausmannsküche. Es gibt etliche einfache Köstlichkeiten. Gleich die Vorspeisen bieten neben den Standards ein paar Highlights. Für günstige 6,50 Euro werden beispielsweise Leberknödel in Tafelspitzbrühe serviert. Der Steirische Backhendl-Salat mit Erdäpfeln und Kürbiskernöl war harmonisch abgeschmeckt und die Hähnchenteile nicht als Nuggets, sondern als Taler geschnitten. Nicht zu dick paniert und kross ausgebacken sind sie auch. Das ist zwar keine große Kochkunst – aber einfach köstlich.

Das gilt auch für den gut gesäuberten ganzen Kopfsalat mit Zitronen-Dressing, der nicht nur gut schmeckt, sondern auch optisch äußerst appetitlich ist. Eine Fotoschönheit fürs Kochbuch. Fast schon wie eine Hauptspeise mutet die hochinteressante Kombination „Land und Meer“ an. Ungewöhnlich vielfältig ist dieser Küchenzauber für 15,50 Euro. Neben Carpaccio von Lachs und Rinderfilet wird eine kleine Portion Vitello Tonnato (Kalbfleisch mit Thunfischsauce), eine Portion Büffelmozzarella und gegrilltem Scampi kombiniert. Das Besondere dabei ist das Balsamico-Sorbet, das eine exzellente Aroma-Ergänzung darstellt.

Fisch, Filet und Pfifferlinge

Als Zwischengang, wahlweise als Hauptgericht gedacht sind die Spezialitäten zur Pfifferlings-Zeit, die auf einer speziellen Karte zusammengestellt sind. Die breite Palette beginnt mit ganz einfach zubereiteten Pfifferlingen, geröstet mit Speck, Zwiebeln, abgeschmeckt mit Crème Fraîche. Dazu gibt es Petersilienkartoffeln. Dann gibt es noch Tagliatelle mit kurz gebratenen (nicht trocken gegarten) Rinderfiletspitzen, Rucola und Grana Padano und kleine würzige Pilze.

Wer Fisch mag, bekommt hier den Havel-Zander aus der Region, so frisch, dass das Fleisch sich schuppt. Es gibt grob 100 Varianten, den Zander zuzubereiten. Ganz ohne Gewürze oder kulinarische Zusatzelemente finde ich den Fisch langweilig. Bisher war mir das Liebste eine Sesamkruste und ein bisschen Meersalz darauf. Wohlfahrt bestimmt den individuellen Geschmack mit einer gut gewürzten Kartoffelkruste und riskiert eine weiter Aroma-Variante, nämlich Rote-Bete-Jus. Nicht nur auf der Speisekarte geht es international zu. Eine Gäste-Gruppe aus Kentucky nimmt Platz, während in der anderen Ecke des wunderschönen Gartens ein Professorenzirkel aus dem französischen Teil Kanadas die Küche genießt. Die bestellen natürlich die Anleihe aus der französischen Gourmandise, nämlich Rinderfilet in klassischer Pariser Sauce mit Geschmacksverbindung von Pfefferrahm und Cognac. Beim süßen Abschluss, den Dessert-Variationen, wechselt der Küchenchef und sein Team in die Alpenregion, wahrlich keine Überraschung, dass es Kaiserschmarrn gibt, der wird allerdings stärker karamellisiert und dann ganz klassisch mit Zwetschgenröster kombiniert. Geliertes Beerenragout und Tahiti-Vanilleeis werten die üblichen Marillenknödel auf.

Seit der Hugenottenzeit wurde Lunch in Berlin kaum gepflegt. Das hat sich in den letzten Jahren geändert, zum Business-Gespräch wird jetzt genussvoll gegessen. Natürlich sind wir hier immer noch meilenweit von der französischen Tradition entfernt, das Mittagsmahl über zwei Stunden zu zelebrieren, dennoch ist es interessant, dass das täglich wechselnde Drei-Gänge-Menü im Wohlfahrt’s ein Renner ist. Mal wird als Vorspeise ein Salat, mal eine Suppe oder Caprese (Mozzarella mit Basilikum und Tomatenwürfeln) offeriert. Die Hauptgänge bieten Fisch-, Fleisch- oder vegetarische Gerichte. Das kleine Dessert ist zumeist ein Apfelstrudel, Panna Cotta oder ein hausgemachtes Eis. Ein Espresso rundet die gelungene Mittagspause ab. Dieses ganze kleine Genusspaket zur Halbzeit des Arbeitstages wird mit 13 Euro berechnet. Die Weinkarte wird von österreichischen, deutschen und italienischen Sorten dominiert, eine große Anzahl offener Weine runden das Angebot ab. Der Service ist exakt so, wie man es hier im angenehmen Ambiente erwartet: völlig unaufdringlich, aber immer da, wenn man ihn braucht – und stets mit herzlichem Lächeln.

Restaurant & Bar Wohlfahrt’s Hardenbergstraße 15, Charlottenburg, Mo.-Sbd. 11-24 Uhr, Tel.: 31 01 51 33, www.wohlfahrts.com

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