Ausflugs-Tipp

Vom Rathaus Spandau zum Kirchenschiff von St. Nikolai

Wer sich all die vielen Treppen, die einen aus den Tiefen des U-Bahnhofs Rathaus Spandau zum Spandauer Rathaus führen, hochgequält hat, wird von vielen Nationen begrüßt.

Denn an der Vorderseite des Rathauses sind Partnerstädtenamen Spandaus auf Schildern zu lesen. Keine der Städtefreundschaften reicht indes in die Zeit zurück, in der das Rathaus von den Architekten Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth entworfen und erbaut wurde: nämlich in den Jahren zwischen 1910 und 1913. Die Erbauer legten Wert auf barocke Elemente bei der Gestaltung der Fassade und deklassierten alle anderen Gebäude beim Größenwettbewerb mit dem 80 Meter hohen Turm. Zwar litt das Rathaus im Zweiten Weltkrieg, doch wurde es in den 50er-Jahren restauriert.

Szenenwechsel: „15 Euro, wenn sie gleich zahlen“, so bietet der Elektrotrödler an seinem kleinen Stand seine Geräte vor dem Rathaus feil, während sich wenige Meter weiter in Richtung der Altstadt ein Polizist mediterrane Spezialitäten gönnt. Wer die übernächste Straße nach rechts nimmt, kommt in der Mauerstraße, einem Apothekenschild folgend, am Spandauer Kulturhaus vorbei. Nun nach links auf die Breite Straße, vorbei an leergeräumten Schaufenstern („24 h online shoppen“ ist da zu lesen) worauf wir die Charlottenstraße kreuzen.

Durch die Fußgängerzone mit vielen Straßencafés, dann die Wasserstraße schnell gekreuzt, findet sich auf der rechten Seite das Gotische Haus . Vermutlich von einer Kaufmannsfamilie im Mittelalter erbaut, brannten große Teile im 18. Jahrhundert ab. Aufwendig wurde es daraufhin jedoch wieder von der damaligen Besitzerin aufgebaut. Die klassizistische Fassade hat sich trotz der Restaurationsarbeiten erhalten. Das ist aber auch alles, denn drinnen ist eine – wie es neudeutsch so schön heißt – „Tourist-Information“ untergebracht, und im Obergeschoss sind wechselnde Ausstellungen zu besichtigen. Je nach Gutdünken, ein kurzer Aufenthalt auf den Liegestühlen vor dem Haus oder in den kühlem Gemäuern des alten Gebäudes, geht es weiter in die Gasse, die sich gegenüber dem Haus unscheinbar verbirgt.

Etwas eingeengt zwischen den beiden Häuserreihen führt diese einen direkt auf den Vorplatz der Kirche St. Nikolai , die die evangelische Spandauer Kirchengemeinde für ihre Gottesdienste nutzt. Recht weitläufig wirkt der Kirchvorplatz mit den umliegenden Restaurants; gleichwohl kommt irgendwie ein Gefühl der Geborgenheit vor dem Kirchenkoloss auf. Die dreischiffige gotische Hallenkirche hat schon viel hinter sich. Ursprünglich war sie nicht geplant, sie ersetzte nur die Marktkirche „ecclesia forensis“ etwa im 14. Jahrhundert. Die Nikolaikirche hat viel Sehenswertes zu bieten wie den Altar aus dem Jahr 1582, das bronzene Taufbecken und die hölzerne Kanzel aus dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts.